Solothurner Filmtage weisen Jean-Claude Bastos' Geld zurück

Schweizer Kulturveranstalter und die Uni Zürich haben viel Geld von Jean-Claude Bastos angenommen. Die Solothurner Filmtage aber wollen nichts mit ihm zu tun haben.

Jean-Claude Bastos will nach eigenen Angaben das «kulturelle Erwachen» vorantreiben. Foto: Anita Baumann

Jean-Claude Bastos will nach eigenen Angaben das «kulturelle Erwachen» vorantreiben. Foto: Anita Baumann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kürzlich hatte Jean-Claude Bastos einen glamourösen Auftritt: Im schwarzen Anzug und weissen Hemd stand der Schweiz-Angolaner bei der Schlusszeremonie auf der Bühne des Dubai International Film Festival, umringt von Preisträgern und Organisatoren. Beste Imagewerbung für Bastos. Die hat der 50-Jährige auch nötig. Denn seit den Enthüllungen aus den Paradise Papers über seine Geschäfte mit dem Staatsfonds Angolas steht er in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, ungebührlich von der Verwaltung des Fonds zu profitieren, indem er mit dem Staatsgeld eigene Projekte finanziert und zudem jährlich Dutzende Millionen als Gebühren kassiert.

Der Auftritt in Dubai ist für Bastos mit finanziellem Aufwand verknüpft: Mit seiner Firma Quantum Global sponsert er neu die Muhr Awards, mit denen Filme aus dem arabischen Raum ausgezeichnet werden. Bastos verkörpere alles, wofür auch das Filmfestival einstehe, heisst es im Communiqué des Festivals.

Ein Auftritt wie in Dubai bleibt Jean-Claude Bastos in der Schweiz verwehrt. Die Solothurner Filmtage, das wichtigste Festival für den Schweizer Film, haben kürzlich ein Sponsoringangebot von Bastos ab­gelehnt. «Ausschlaggebend für die Ablehnung war das Reputations­risiko», erklärt Seraina Rohrer, die Direktorin der Filmtage.

Ein Unterstützer der Utopie

Die Entscheidung ist bemerkenswert, ist das Filmfestival doch zurzeit aktiv auf der Suche nach Hauptsponsoren und weiteren Geldgebern. Bemerkenswert aber auch deshalb, weil andere Kulturveranstaltungen in der Schweiz in den letzten Jahren immer wieder Geld von Bastos angenommen hatten.

Internationale Medien wie das «Wall Street Journal» und die «Financial Times» hatten 2013 erstmals über Bastos’ Nähe zum angolanischen Präsidentensohn sowie über fragwürdige Trans­aktionen des von ihm verwalteten Staatsfonds berichtet. Ebenfalls öffentlich bekannt war, dass Bastos 2011 vom Zuger Strafgericht wegen mehrfacher qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung rechtskräftig zu einer hohen bedingten Geldstrafe verurteilt worden war. Der Eintrag im Strafregisterauszug ist inzwischen wieder gelöscht.

Seit den Enthüllungen der Paradise Papers über seine Geschäfte mit dem Staatsfonds Angolas steht er in der Kritik. 

Dennoch gab es gleich mehrere namhafte Kulturveranstaltungen, die zu dieser Zeit auf Bastos vertrauten. So etwa die Eventi letterari, ein Utopiefestival im Tessin, das jeweils im Frühling zur Diskussion von grossen Fragen einlädt und dafür alles versammelt, was gut und teuer ist – von der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller bis zum Philosophen Peter Sloterdijk. Seit der Gründung gehörte Bastos dem Sponsoring­komitee an.

Wie viel Geld Bastos fürs Budget des Festivals in Ascona auftrieb, das seine Gäste und die anreisenden Journalisten gerne im Fünfsternhotel einquartiert, ist nicht bekannt. Von seinem eigenen Vermögen habe Bastos insgesamt weniger als 200'000 Franken an die Events auf dem Monte Verità gegeben, schreibt die Leiterin der Eventi letterari. Viele Persönlichkeiten, deren Profes­sionalität und Integrität ausser Frage stehe, hätten Bastos empfohlen. Vom Strafprozess in Zug habe sie nichts gewusst. Da Bastos bereits diesen Frühling mitteilte, er werde seine Mitgliedschaft im Sponsoringkomitee der Eventi letterari nicht erneuern, stelle sich die Frage nicht, ob man in Zukunft Geld von jemandem mit einem Hintergrund wie Bastos annehme.

Nichts von Urteil gewusst

Andere Veranstalter müssen sich hingegen mit dieser Frage beschäftigen. So zum Beispiel jene von World Minds, einem Thinktank, der internationale Gäste aus Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu Vorträgen nach Zürich einlädt, darunter Alt-Kanzler Gerhard Schröder, die damalige Bundespräsidentin Doris Leuthard oder den chinesischen Künstler Ai Weiwei.

Betrieben wird World Minds vom Autor und Unternehmer Rolf Dobelli. Er schätzt an Bastos, dass er «intelligent» sei und «out of the box» denken könne. Im März 2011 trat Bastos dem Stiftungsrat der World Minds Foundation bei; just vier Monate vor dem Urteil in Zug. Von diesem hat auch Rolf Dobelli laut eigenen Angaben bis vor kurzem nichts gewusst.

Seit Gründung der World Minds Foundation im Jahr 2008 bis heute hätten die Gelder von Bastos weniger als drei Prozent des gesamten Spenden­volumens ausgemacht, erklärt Dobelli. Die Tätigkeiten von World Minds könnten zudem «ganz klar von Bastos’ Geschäften getrennt werden». Auch die bei World Minds diskutierten Themen ­hätten «nicht das Geringste» mit Bastos’ geschäftlichen Verwicklungen in Angola zu tun, so Dobelli.

300'000 Franken für die Uni Zürich

Dennoch hat Bastos nach den Paradise Papers sein Mandat bei der World Minds Foundation sistiert. Was dies genau bedeutet, was ihn zu diesem Schritt bewog und was geschehen müsste, damit er wieder für die Stiftung tätig sein kann, lassen die Vertreter der World Minds Foundation auf Nachfrage unbeantwortet. Im Handelsre­gister ist Bastos immer noch als Stiftungsrat eingetragen. «Ich bin stolz auf meine Verbindung mit World Minds», lässt er mitteilen. «Ich freue mich, meine Arbeit mit der Organisation künftig fortzusetzen.»

Bastos sponsert auch die Wissenschaft. Gemäss einer Sprecherin der Universität Zürich liess er einem Uni­versitätsfonds für medizinische Forschung Mitte des vergangenen Jahres 200'000 Franken zukommen. Und 2016 bezahlte er einer Professorin des Instituts für Hirnforschung 100'000 Franken für Traumaforschung.

Harvard schloss ihn aus

Die Unisprecherin betont: «Es handelt sich in beiden Fällen nicht um eine Zusammenarbeit, sondern um einmalige Schenkungen.» Die für die Annahme­entscheide zuständige Stiftung der Universität habe Bastos «in einem Standard­verfahren geprüft». Die Unisprecherin stellt sich auf den Standpunkt, dass zum damaligen Zeitpunkt «nichts gegen eine Annahme» des Geldes gesprochen habe.

Ob die Universität Zürich auch künftig Schenkungen von Bastos annehmen würde, lässt die Sprecherin offen. Auf die Enthüllungen der Paradise Papers reagiert hat hingegen ein Institut der Harvard-Universität in den USA. Es hat Bastos sofort aus einem Berater­gremium ausgeschlossen. Man habe Bastos’ Rolle im Gremium als «nicht mehr angemessen» beurteilt, schreibt der Co-Direktor des Instituts.

Bastos selber sagt auf Anfrage über seine philanthropischen Aktivitäten, er wolle damit Organisationen und Anlässe unterstützen, die Innovation und Unternehmertum fördern und «kulturelles Erwachen» vorantreiben. «Ich glaube, es ist wichtig, den Horizont zu erweitern und die feinen Dinge im Leben zu würdigen», schreibt er. Zu seinen Interessen gehörten Jugend, Kultur und die menschliche Entwicklung. Und zwar «in allen Märkten, in denen ich aktiv bin». Für Bastos, der seine kulturellen Investments schon als «smart money» bezeichnet hat, gibt es offensichtlich einen Zusammenhang zwischen dem Sponsoring von Kulturevents und seinen Tätigkeiten als Geschäftsmann. «Da wir eine Präsenz in Dubai aufbauen wollen, ist es für mich natürlich, in den arabischen Film und den der Emirate zu investieren», erklärt Bastos anlässlich seines jüngsten Kulturengagements.

Wenige Tage nach der glamourösen Schlusszeremonie des Filmfestivals von Dubai wurde dort im internationalen Finanzzentrum eine neue Firma eingetragen. Sie heisst QG Investments Africa Management Ltd. und gehört Jean-Claude Bastos. Es ist die Firma, über welche die umstrittene Verwaltung des angolanischen Staatsfonds läuft – die Bastos allein 2014 und 2015 Dividenden, also eine Gewinnabschöpfung, von 41 Millionen Dollar eingebracht hat.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.01.2018, 20:03 Uhr

Artikel zum Thema

Wie ein Schweizer von Angolas Milliarden profitiert

Paradise Papers Jean-Claude Bastos verwaltet den angolanischen Staatsfonds. Das Datenleck zeigt: Die Geschäfte nützen ihm gleich mehrfach. Mehr...

Das fragwürdige Angola-Mandat der SBB-Präsidentin

Paradise Papers Monika Ribar verdiente gut an einem Bauprojekt des angolanischen Staatsfonds. Auch andere Schweizer Promis helfen dem Kopf dahinter. Mehr...

Zeit, aufzuwachen, für den Bundesrat

Leitartikel Die Schweiz muss aus den Paradise Papers Lehren ziehen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...