Zerwürfnis bei Nagel & Kimche

Der Chef des renommierten Schweizer Verlags, Dirk Vaihinger, verlässt das Haus.

Führte Nagel & Kimche seit 1999: Dirk Vaihinger.

Führte Nagel & Kimche seit 1999: Dirk Vaihinger. Bild: Ayse Yavas/Keystone

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Als Dirk Vaihinger am letzten Freitag nicht zur Arbeit erschien, wurde klar, dass der im November 2017 erfolgte Verkauf des Nagel-&-Kimche-Verlags doch nicht folgenlos bleibt. Damals hatte der Hanser-Verlag bekannt gegeben, den Verlag auf den 1. Januar 2018 an die deutsche MG Medien Verlags GmbH von Oliver Kneidl zu verkaufen. Die Firma ist spezialisiert auf die Publikation von Fach- und Publikumszeitschriften, Büchern und Hörbüchern. Am Programm des Nagel-&-Kimche-Verlags werde sich, so betonte der Leiter Dirk Vaihinger damals, auch nach dem Besitzerwechsel nichts ändern. «Das ist der explizite Wunsch des neuen Eigentümers.»

Kontinuität schien garantiert, zumal Oliver Kneidl den Kauf als Herzenswunsch bezeichnete: «Als leidenschaftlicher Leser ist mir das Programm von Nagel & Kimche seit vielen Jahren vertraut. Es ist ein kleiner, besonderer Qualitätsverlag, der mich begeistert und den ich so, wie er ist, erhalten möchte.» Dirk Vaihinger und sein Team sollten, so Kneidl damals, das Haus unverändert weiterführen. Mit dem neuen Eigentümer, ergänzte Dirk Vaihinger im November, zeichne sich eine Beständigkeit, aber auch eine Entwicklungsperspektive ab. «Das wird uns weiter voranbringen.»

Divergierende Ansichten

Nach einem halben Jahr geht es zumindest für den Verlagschef nicht weiter. Verschiedene Quellen berichten, dass der Verlagschef und der neue Besitzer nicht gut zusammen konnten und seit längerem schon divergierende Meinungen vertraten. Diese unterschiedlichen Ansichten über die Führung des in Zürich ansässigen Verlags führten zu so grossen Unstimmigkeiten, dass es nun zum Abgang von Dirk Vaihinger kam.

Sowohl Kneidl als auch Vaihinger, der den 1983 von Renate Nagel und Judith Kimche gegründeten Verlag schon seit 1999 führt – seit Hanser ihn übernahm –, waren gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Für die nächsten Tage ist mit einer gemeinsamen Erklärung zu rechnen, was durchaus im Sinne des Verlags, aber auch der Autorinnen und Autoren ist.

Nagel & Kimche veröffentlicht etwa 15 bis 20 Novitäten im Jahr. 2018 werden neue Bücher unter anderem von Milena Moser, Peter Haffner und Florian Werner erscheinen, zudem Übersetzungen von Castle Freeman, Marcelo Figueras, Andrea Camilleri und mehrere Debüts aus Skandinavien.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.06.2018, 20:30 Uhr

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