Steuergeld verschwendet

Der Bund betreibt mit dem Geld, das für Kunstpreise bestimmt ist, eine riesige Maschine, die den Künstlern wenig bringt.

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Die Zahlen lassen staunen: Fünf Millionen Franken hat das Bundesamt für Kultur (BAK) jährlich für seine Kunstpreise zur Verfügung. Aber nur die Hälfte davon fliesst in Form von Preisgeldern direkt an die Künstler. Mit der anderen Hälfte werden unter anderem die Feiern der Preisverleihungen finanziert, wogegen nicht viel zu sagen ist: Die Verleihung darf durchaus festlich sein, wenn die offizielle Schweiz genügend Künstler findet, die auszeichnungswürdig sind.

Vom Gesamtbudget, das zur Verfügung steht, steckt das BAK aber nur zehn Prozent in solche Feierlichkeiten. Der Rest – rund zwei Millionen Franken – fliesst in Ausstellungen, Videos, Fotoshootings, Websites, Bücher, Postkarten, PR, Social-Media-Kampagnen und dergleichen mehr. Das BAK argumentiert, dass diese Aufwendungen überwiegend den Preisträgern zugute- kämen, da sie ihnen etwa grössere Bekanntheit im In- und Ausland verschaffen würden.

Schaut man sich die finanzierten Leistungen und ihre Kosten genauer an, überrascht, mit welcher Grosszügigkeit das BAK die Steuergelder ausgibt: Insgesamt fast 245'000 Franken für Videoporträts, die sich im Internet kaum jemand anschauen will; 90'000 Franken für ein Kommunikationsbüro in Berlin, mehrere Tausend Franken für Fotoshootings, eine Tanz-App, Publikationen oder Social-Media-Kampagnen von durchschlagender Wirkungslosigkeit.

Letztlich betreibt das BAK also nichts anderes als eine riesige Maschine, die den Künstlern viel weniger bringt, als sie könnte. Das stört nicht zuletzt deshalb, weil das BAK in diesem Frühjahr die Künstlerverbände mit der Androhung von Mittelentzug erheblich unter Druck gesetzt hat: «Wenig effizient» sei deren Arbeit, weshalb sie über die Sprachgrenzen hinweg fusionieren müssen, sonst verlieren sie die lebenswichtige Unterstützung des BAK.

Wenn man sich anschaut, mit welcher Grosszügigkeit das BAK selbst Geld verschleudert, kommt dieses Verdikt einer Verhöhnung funktionierender Verbandsarbeit gleich. Nicht zuletzt deshalb muss die Politik nun Massnahmen ergreifen: Sie muss nach dem Rechten schauen und im BAK kräftig aufräumen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.07.2017, 21:01 Uhr

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