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In einer neuen Schau will das Fotomuseum Winterthur zeigen, was Fotografie und Manifest verbindet.

«Der Film ist ein erneuertes Hymen, die Linse ist ein Phallus.» Wenn der japanische Fotograf Nobuyoshi Araki sein Medium beschreibt, entsteht Poesie – oder Pornografie, je nach Blickwinkel. In der Ausstellung im Fotomuseum Winterthur dankt man ihm sowohl für das eine wie für das andere. Denn nur dank solchen Merksätzen, die daran erinnern, dass kluge Köpfe nicht erst seit der Erfindung von Social Media der Fotografie die Unschuld absprechen, ist erträglich, was dem Besucher hier aufs Auge gedrückt und vor die Nase gebaut wird. «Manifeste! Eine andere Geschichte der Fotografie» anhand von historischen Theorien und Metatexten von den Anfängen des Mediums bei Daguerre (1839) und Talbots «Pencil of Nature» (1844/45) bis heute. «Manifeste!», ein labyrinthischer Irrgarten aus Sperrholz und Papier – ein Manifest kuratorischen Übereifers.

Tatsächlich, so viel Missverstehen, was eine Ausstellung sei, war selten in Winterthur. Diese Ausstellung ist keine, sondern ein Leserparcours für Langmütige. Vorausgesetzt, die Schau, konzipiert in Winterthur und am Museum Folkwang in Essen, sucht überhaupt die Öffentlichkeit. Und nicht nur den Applaus von Szenografen – oder von Pädagogen, die hier perfektes Unterrichtsmaterial für angehende Fotografen und Bildredaktoren finden.

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