Being Harvey Weinstein

Der Schauspieler John Malkovich schlüpft in eine Rolle, die vielen seiner Fans nicht gefallen wird.

Betrachtet jedes Thema von mindestens zwei Seiten: John Malkovich. Foto: Jordan Strauss (Keystone)

Betrachtet jedes Thema von mindestens zwei Seiten: John Malkovich. Foto: Jordan Strauss (Keystone)

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Mit seiner neuesten Rolle will sich John Malkovich offensichtlich nicht nur Freunde machen – das Stück, in dem er da spielt, sagte er der BBC, werde «vielen Leuten wohl nicht gefallen». Vom 7. Juni an wird er in London auf der Bühne stehen, als Barney Fein in «Bitter Wheat». Das Stück hat der amerikanische Drama­tiker David Mamet geschrieben. Es orientiert sich am Skandal um den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein, der von vielen Schauspielerinnen des sexuellen Machtmissbrauchs beschuldigt wird, sogar der Vergewaltigung. Malkovich zufolge ist «Bitter Wheat» eine schwarze Komödie, bei der nicht nur Weinstein, sondern ganz Hollywood sein Fett abbekommt.

John Malkovich, 1953 in Illinois geboren, spielt lieber auf der Bühne als in Filmen, er mag die Reaktion des Publikums. Noch während des Studiums in Chicago schloss er sich der Steppenwolf Company an, die das amerikanische Theater bis in die Achtzigerjahre stark beeinflusste, in New York wurde er, als Schauspieler und Regisseur, ein Theaterstar. Volker Schlöndorff verfilmte 1985 Arthur Millers «Tod eines Handlungsreisenden» – und Malkovich, der in dem Stück auch schon auf der Bühne gespielt hatte, war dabei. Den grossen Durchbruch im Kino brachte 1988 «Gefährliche Liebschaften». Er spielte den Vicomte de Valmont, einen dreisten Verführer.

Malkovich hat im Kino oft Schurkenrollen gespielt, einen Attentäter in «In the Line of Fire» (1993) und den mörderischen Tom Ripley in «Ripley’s Game» (2002). In Spike Jonzes brillant-absurden Komödie «Being John Malkovich» spielte er 1999, nun ja, die Titelrolle.

Malkovich schätzt keine eindimensionalen Bösewichter.

Jenseits der Leinwand ist John Malkovich ein freundlicher, zuvorkommender Herr; wenn er zu spielen loslegt, verwandelt er sich im Bruchteil einer Sekunde in einen anderen Menschen. Malkovich hat allerdings eine Schwäche für angeregte Diskussionen – einfache Sachverhalte sind ihm einfach suspekt. Und den Wunsch, jedes Thema, jede politische oder historische Entwicklung von mindestens zwei Seiten zu betrachten, kann man oft auch in seiner Arbeit nachvollziehen: Malkovich schätzt eigentlich keine eindimensionalen Bösewichter.

Bislang ist über den genauen Inhalt von «Bitter Wheat» wenig bekannt. Auf der Website für den Vorverkauf steht, Barney Fein sei ein «aufgeblasenes Monster, ein Studio-Chef, der wie Minotaurus die Jugend in seine Höhle lockt und dann verschlingt». Sympathisch klingt das nicht.

Was nun David Mamet betrifft: Er hat Anfang der Neunzigerjahre, als in den USA schon einmal heftig über sexuelle Belästigung gestritten wurde, auch ein Theaterstück zur Debatte geschrieben, «Oleanna». Es ist ein Stück über einen Professor, der eine Studentin belästigt und dafür einen hohen Preis zahlt – oder als Stück über eine Studentin, die einen Professor hereinlegt.

John Malkovich beschreibt «Bitter Wheat» als Farce, und es wird sicher viele Leute geben, denen eine komische Sicht auf Harvey Weinstein gegen den Strich geht. Sollte das Stück auch ansonsten kontrovers sein, kann man sich darauf verlassen, dass das pure Absicht ist.

Erstellt: 04.02.2019, 09:56 Uhr

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