Corine Mauch erklärt die Finanzkrise

Im Rahmen einer Theaterinstallation sprach die Zürcher Stadtpräsidentin zum Thema Spekulation. Ihre Ausführungen über «rennende Herden» und «Blasen» hörten sich an wie eine Predigt.

Als wärs eine Predigt: Corine Mauch im Theaterhaus Gessnerallee. Das vollständige Referat: hier klicken. (Video: rb)

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Das Theaterhaus Gessnerallee will Zürich retten. Zum 20-Jahr-Jubiläum hat es verschiedene freie Theatergruppen beauftragt, einen Beitrag zum Thema «Wir retten Zürich» beziehungsweise zu einer «Evakuierung» der Stadt zu leisten. Im grossen Theatersaal, einer ehemaligen Reithalle, haben sich die Gruppen installiert und zeigen parallel ihre Beiträge. Das Publikum flaniert durch das «Evakuierungscamp», lauscht einem Referat, schaut sich einen Film oder ein kurzes Theaterstück an und geht weiter.

Doch wovor muss Zürich gerettet werden? Die beiden Theaterschaffenden Laura Kalauz und Marina Belobrowaja widmen sich in ihrem Beitrag der Spekulation. Hierzu haben sie verschiedene Persönlichkeiten zu einem Referat geladen, um innerhalb der Theaterinstallation zu sprechen. Auch Stadtpräsidentin Corine Mauch ist der Einladung gefolgt, um über jenes Thema zu referieren, das je nach Blickpunkt Fluch oder Segen für die Stadt bedeutet.

Einfache Logik

Mauch, in der Vergangenheit für ihre spröden Auftritte kritisiert, hat es im Umfeld von Schauspielern und Autoren nicht leicht, zur Geltung zu kommen. In ihrem rund 10 Minuten dauernden Referat widerspricht sie den Theatermachern, dass Zürich gerettet werden müsse, und argumentiert unter anderem mit den Resultaten der Städterankings. Das tönt nicht nur unoriginell, das ist es auch. Weiter führt sie aus, dass Politiker Spekulationsobjekte seien, da die Wähler auf Personen spekulierten. Um dann, in der Tonalität einer Predigt, bei jenen Spekulanten zu landen, die zurzeit überall als Feindbilder herhalten müssen: den gierigen Leuten, die einem Herdentrieb folgen und somit eine Abwärtsspirale in Gang bringen.

Ein «ungewohntes Bild von Zürich und deren Bewohnern» versprechen die Theaterverantwortlichen, eines, das sich «nicht durch die öffentliche Selbstdarstellung der Schweiz aus dem Munde ihrer offiziellen Repräsentanten leiten» lässt. Die Stadtpräsidentin erweist sich nicht als die geeignete Person, diesem Anspruch gerecht zu werden. Andere Projekte in der Halle taugen dazu schon eher. Eine Gruppe widmet sich dem Bahnhof Wiedikon und lässt verschiedene Menschen in Videoprojektionen Geschichten über diesen ausserordentlichen Quartierbahnhof erzählen. Eine andere lässt Zürcher Alltagshelden mit Fanfaren und Champagner hochleben, zum Beispiel eine ältere Frau, die in einem Problemviertel Einwandererkindern Nachhilfeunterricht gibt. Geschichten, die zeigen: Zürich ist bereits gerettet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.07.2010, 11:16 Uhr

«Ich bin ein Spekulationsobjekt»: Ankündigung des Vortrags von Corine Mauch.

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