Drei Generationen Leichtigkeit

Der Tessiner Clown Dimitri, mittlerweile 80 Jahre alt, begeistert Kinder und Erwachsene mit einem neuen Programm, das er zusammen mit seiner Familie bestreitet: «Dimitrigenerations».

Die Artistenfamilie ist grösser geworden: Clown Dimitri mit Masha Dimitri, Silvana Gargiulo, Nina Dimitri und Samuel Müller (von links). Foto: Jean-Daniel von Lerber

Die Artistenfamilie ist grösser geworden: Clown Dimitri mit Masha Dimitri, Silvana Gargiulo, Nina Dimitri und Samuel Müller (von links). Foto: Jean-Daniel von Lerber

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Das Klavier tanzte, die Leuchter wedelten, das Schlappseil schlappte. Aber das Grundmass des Abends war der Trippelschritt, also jene Gangart zwischen Gehen, Hüpfen und Tanzen, mit der man sich in Kindertagen übers Gras bewegte – irgendwo zwischen freudiger Erregung, endlich auf eigenen Füssen stehen zu können, und der Angst, kopfüber auf die Nase zu fallen. Mit genau solchen Trippelschrittchen bewegte sich Clown Dimitri einen ganzen Abend lang über die Bühne, als er im KKL Luzern sein neues Programm zeigte, mit dem der inzwischen 80-jährige Clown bis Ende Mai durch die Deutschschweizer Städte tingeln wird.

Und bei jedem dieser Auftritte wird man Dimitri dabei zuschauen können, wie er einem Vögelchen oder ähnlichen Flugwesen hinterhertrippelt. Naturgemäss lange vergeblich. Denn das flirrende Vogelwesen schwebt unerreichbar hoch über Dimitris Kopf, weil es mit einer Teleskopstange am Rücken des Clowns befestigt ist. Aber das kennt man ja, dass sich die menschengemachten Objekte gegen uns verschwören – aus dem Alltag, der von abstürzenden Computern bestimmt ist, aber auch aus dem einen oder anderen Bühnenwerk mit ­komischer Grundierung.

Ein Schirm wie ein UFO

Am Ende gab es Standing Ovations für Dimitris neues Programm. Und es war nicht so, dass man ihn nur wegen seines hohen Alters beklatschte. Nein, ganz entschieden nein. Die Begeisterung des vollen Saals hat mit der Qualität zu tun, die Dimitri hier zeigt. Auch in technischer Hinsicht. So etwa, wenn der Clown einen Pingpongball in höchste Höhen und wieder zurück in seine Mundhöhle ploppen lässt oder wenn er denselben Ball auf den Saiten einer Minigitarre jongliert, deren Kopfplatte er mit seinen Zähnen hält – und sich die so angestimmten Akkorde dann tatsächlich zu einer Melodie zusammenfügen: Dimitri ist immer noch ein grosser Artist, keine Frage.

Seine grösste Qualität besteht aber zweifelsohne in seiner Leichtigkeit, mit der er sich der protzenden Perfektion und der putzigen Poesie widersetzt, von der sonst so viele Artisten- und Clown-Programme bestimmt sind. Damit hat Dimitri nichts gemein. Er ist vielmehr einer der grossen Leichtnehmer und Leichtmacher, er widersetzt sich damit selbst dem Altern, von dem einige ja behaupten, es sei ein Massaker. Nicht so beim trippelnden Dimitri, der uns die Grossartigkeit des Hierseins zeigen will.

Die Grossartigkeit des Daseins besteht für Dimitri wesentlich in seiner Artisten-Famiglia, mit der er sein neues Programm bestreitet. Mit dabei ist erstmals Enkel Samuel, ein knapp dreissigjähriger Artist, der mit ewig einknickenden Knien und Füssen die Silly Walks von Monty Python in eine komische Variante des Breakdance überführen kann. Bereits seit längerem dabei ist Dimitris 1966 geborene Tochter Nina, die mit ihrer Begeisterung für den Fado die Fans der portugiesischen Musik für sich ­gewinnen kann. Oder Ninas zwei Jahre ältere Schwester Masha, die sich aufs Schlappseil legt und den dargereichten Schirm als drehendes UFO über ihren Füssen schweben lässt, um ihn dann mit einem Kick in der Luft zusammenzufalten: Das war so sinnfrei grossartig, dass man sich selbst als Erwachsener einen Moment der staunenden Mundstarre leistete.

Für Kinder ab acht Jahren wird das neue Dimitri-Programm sowieso etwas vom Grössten sein. Nicht zuletzt wegen Silvana Gargiulo, einer untersetzten Clownin, die als langjährige Familienfreundin von den Dimitris sozusagen adoptiert wurde – und die auf der Bühne mit dem tanzenden Klavier, den wedelnden Leuchtern und anderen Objekten kämpfte, sich aber zwischendrin auch mal einen sehr entspannten Gang über die leere Bühne leistete, als würde sie uns dabei mit ihrem stummen Blick zurufen wollen, dass die leichte Sinnlosigkeit übrigens auch jede Menge Spass macht.

Und das machte das hundertminütige Dimitri-Programm ganz entschieden – mit seinen Lachkonzerten, Hütchenspiel, Dimitris Verfünffachung und anderen Nummern, die sich lose aneinanderreihten. Am Ende kriegte Dimitri das Vögelchen, dem er in den Zwischenszenen hinterherjagte, übrigens doch noch zu fassen. Uns hatte er da schon längst in der Tasche.

Nächste Termine: Affoltern a. Albis (4. 3.), Aarau (5. 3.), Horgen (20. 3.), Solothurn (21. 3.), Wetzikon (22. 3.). Weitere Daten und genaue Angaben unter www.famigliadimitri.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2015, 19:42 Uhr

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