Ermässigungen am Theater Neumarkt

Zahlen nennt man noch keine, doch mit günstigeren Tickets reagiert die Leitung auf die schlechte Auslastung.

Im Rahmen der Festspiele Zürich führte das Theater Neumarkt das Stück «Karte und Gebiet» nach dem Roman von Michel Houellebecq auf. Foto: Doris Fanconi

Im Rahmen der Festspiele Zürich führte das Theater Neumarkt das Stück «Karte und Gebiet» nach dem Roman von Michel Houellebecq auf. Foto: Doris Fanconi

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Gewiss, aller Anfang ist schwer, gerade an den Theatern, die immer wieder um ihr Publikum kämpfen müssen. Aber manchmal sind die Probleme hausgemacht. Zumindest am Theater Neumarkt, das seit vergangener Spielzeit ein neues Leitungsteam hat – und seither mit den Auslastungszahlen hadert. Offenbar gab es Vorstellungen mit weniger als zehn Zuschauern. Genaues wird man aber erst im November erfahren, wenn der Geschäftsbericht erscheint. Bis dahin hüllt sich das Direktionsteam in Schweigen – trotz Nachfragen, die es auch bei der gestrigen Pressekonferenz gab, auf der Peter Kastenmüller und Ralf Fiedler ihre zweite Spielzeit vorstellten.

Die Probleme am Neumarkt sind augenfällig und zahlreich: Da ist etwa die Homepage, auf der man Bildelemente wegmanövrieren musste, wenn man freie Sicht auf den Spielplan haben wollte. Ein anderes, wenn nicht gar das Hauptproblem ist das schwer vermittelbare Konzept mit den thematischen Plattformen und den jeweiligen Einheitsbühnenbildern. Während die Homepage gerade optimiert wird, klammern sich die Direktoren auch in der kommenden Spielzeit an ihre Plattformen – sie versprechen sich davon «eine neue Qualität des Zusammenhangs», etwas also, das eigentlich vom Ensemble gestiftet werden kann.

Dass ein einheitliches Bühnenbild nicht für alle Regisseure etwas ist und dass in der letzten Spielzeit gar ein Projekt des Basler Regisseurs Boris Nikitin abgesagt werden musste, geben Kastenmüller und Fiedler offen zu – auch wenn sie keinen Zusammenhang zwischen Nikitins Absage und dem Einheitsbühnenbild erkennen wollen.

Zum halben Preis ins Theater

Statt von den Fehlern sprechen die Direktoren lieber vom «Lügen», der «Alpenwut» und dem «Draussen». Mit diesen Plattformthemen werden in der kommenden Spielzeit wieder unterschiedlichste Stoffe verklammert; in der «Lügen»-Plattform sind das Ovids «Metamorphosen» (Regie: Laura Koerfer), Shakespeares «Macbeth» (Pedro Martins Beja) sowie Martin Heckmanns «Ein Teil der Gans», das die Spielzeit eröffnen wird (Simone Blattner).

Während die «Alpenwut»- und die «Draussen»-Plattform noch in Planung sind und die realen Auslastungszahlen weiterhin im Dunkeln bleiben, gab es doch noch Erfreuliches: In Zukunft kann man am Mittwoch für die Hälfte des Preises ins Theater. Hinzu kommt ein «Neumarkt-Pass» für 89 Franken, mit dem man alle Kartenpreise halbieren kann. Damit reagiert man auf die Preispolitik des Theaterhauses Gessnerallee, das jedes Ticket für 16 Franken verkauft.

Es tut sich also etwas, und es muss sich auch etwas tun, wenn die beiden Direktoren in Zürich bleiben wollen. Nicht zuletzt müssen sie als Deutsche gegen die bittere Wahrheit ankämpfen, dass am Neumarkt bisher nur Leitungsteams mit Schweizern erfolgreich waren – und dass man auf Kastenmüller und Fiedler, die sich am Theater Basel und anderswo schon versucht haben, nicht mehr so neugierig ist wie auf ihre Vorgänger Barbara Weber und Rafael Sanchez, die als junge Schweizer in Zürich ankamen.

Erstellt: 21.08.2014, 02:20 Uhr

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