Geheimsache Intendanten-Lohn

Die Intendantin des Zürcher Schauspielhauses kriegt trotz Pauschalvertrag «marktübliche» Extragagen: Eine Verpflichtung zur Veröffentlichung von Löhnen und Honoraren gibt es nicht.

Schauspielhaus-Intendantin Barbara Frey.

Schauspielhaus-Intendantin Barbara Frey. Bild: Keystone

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Es läuft richtig gut für Barbara Frey: Kürzlich hat sie am Schweizer Theatertreffen einen mit 30'000 Franken dotierten Preis für ihre Verdienste um das hiesige Theaterschaffen erhalten. Aber seit der Vergabe stehen auch einige Fragen im Raum. Denn just am Tag der Übergabe erschien ein Interview, in dem sich die Schauspielhaus-Intendantin ziemlich ratlos zeigte, als man sie damit konfrontierte, dass der Pfauen in der vergangenen Spielzeit mit 55 Prozent wesentlich schwächer ausgelastet war, als in den Saisons zuvor. «Was sollen wir tun?», fragte Frey. «Musicals bringen? Nochmals Frisch und Dürrenmatt?», hakte die 53-jährige Regisseurin nach.

Wie also könnte man Frey in ihrer Situation helfen? Die Karten für den Pfauen, die in der höchsten Kategorie 108 Franken kosten, seien zu teuer, argumentiert die «NZZ am Sonntag» vom vergangenen Wochenende - und sah Sparpotenzial: Bei den Honoraren der Intendantin. Tatsächlich ist es so, dass Barbara Frey gemäss ihrem Vertrag jede Spielzeit nur zu einer Produktion am Schauspielhaus Zürich verpflichtet ist. Jede weitere Produktion am eigenen Haus wird der Intendantin zusätzlich vergütet. In dieser Spielzeit waren dies mit dem «Nachtstück» und einem Beitrag zu Elfriede Jelineks «Die Schutzbefohlenen» immerhin zwei weitere Inszenierungen, wobei es sich bei der Jelinek-Adaption um einen kleineren Beitrag gehandelt haben wird.

Genaueres erfährt man nicht: Die Honorare für Barbara Freys Zusatzleistungen am eignen Haus bewegen sich «im marktüblichen Rahmen, jedenfalls aber unter der Höchstgage für Regisseure am Schauspielhaus», lässt der Schauspielhaus-Verwaltungsrat auf Anfrage hin ausrichten. Wie viel unter der Höchstgage und wie hoch diese ist, wird nicht bekanntgegeben. Es handelt sich beim Schauspielhaus um eine Aktiengesellschaft, in deren Verwaltungsrat die Stadt Einsitz nimmt, den sie aber nicht dirigiert; eine Verpflichtung zur Veröffentlichung von Löhnen und Honoraren gibt es nicht. Von Matthias Hartmann, einem von Barbara Freys Vorgängern am Schauspielhaus Zürich, weiss man aber, dass er am Wiener Burgtheater für jede weitere Inszenierung mehr als 50'000 Euro erhielt. So steht es zumindest in einem Interview mit dem «Spiegel». Ist dies das marktübliche Honorar?

Übernahmen von Produktionen

Bekannt ist, dass Barbara Frey neben ihren Arbeiten am Schauspielhaus Zürich noch an weiteren Theaterhäusern inszenieren darf, was die Regisseurin wiederholt getan hat, seit sie mit der Spielzeit 2009/10 das Zürcher Schauspielhaus übernahm. So brachte sie seit 2011 jede zweite Spielzeit eine Inszenierung am Wiener Burgtheater heraus. Ausserdem gab Frey vor zwei Jahren ihren Einstand an der Semperoper in Dresden - mit Richard Strauss’ «Elektra». Während der Schauspielhaus-Intendanz entstanden so bisher vier weitere Inszenierungen, die Barbara Frey von den jeweiligen Häusern wahrscheinlich ebenfalls «im marktüblichen Rahmen» vergütet bekam. Eine fünfte Inszenierung ist in Planung. Sie soll im Januar 2017 in Wien zur Premiere kommen.

Aber damit nicht genug: Es werden auch die Übernahmen von Produktionen, die Barbara Frey vor ihrer Zeit als Intendantin erarbeitet hat, zusätzlich vergütet, wenn sie diese am Schauspielhaus zeigt. «Der Praxis an vergleichbaren Häusern entsprechend wird für Übernahmen ein Honorar in marktüblicher Höhe bezahlt», lässt die Pressestelle des Schauspielhauses auf Anfrage hin ausrichten. Wie hoch dieses marktübliche Honorar ist, erfährt man nicht. Matthias Hartmann hat im «Spiegel» eine Rechteabgeltung von jeweils 15'600 Euro für die Inszenierungen angegeben, die er von Zürich ans Burgtheater mitnahm. Mit Sicherheit sagen kann man, dass in den vergangenen Jahren fünf Produktionen von Barbara Frey ans Schauspielhaus übernommen wurden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.06.2016, 17:07 Uhr

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