Hippie? Nazi? Kokosnuss!

Christian Krachts umstrittener Aussteiger-Roman «Imperium» kommt in Hamburg auf die Bühne.

Gehört zu den kontroversen Figuren der deutschsprachigen Literaturszene: Christian Kracht. (4. November 2012).

Gehört zu den kontroversen Figuren der deutschsprachigen Literaturszene: Christian Kracht. (4. November 2012). Bild: Keystone

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Bei Erscheinen 2012 hatte das Buch des Schweizers eine hitzige Debatte um angeblich rassistische Weltsicht ausgelöst. Krachts in den Feuilletons heftig umstrittener Roman (Verlag Kiepenheuer & Witsch) ist von Sonntag, 26. April, an in Hamburg in einer Bühnenversion von Jan Bosse zu erleben. Das Thalia-Theater präsentiert die Inszenierung in seiner Spielstätte an der Gaussstrasse.

Im international erfolgreichen Buch beschreibt der 1966 geborene Kultliterat Kracht («Faserland») in satirischer Manier die reale Biografie des 1875 geborenen Nürnberger Apothekenhelfers August Engelhardt. Der hatte 1902 sein wilhelminisches Vaterland verlassen und auf der Pazifikinsel Kabakon, damals Deutsch-Neuguinea, eine religiös motivierte Nudisten- und Vegetariergemeinschaft gegründet.

Der Roman sei «durchdrungen von einer rassistischen Weltsicht», hatte «Spiegel«-Autor Georg Diez Kracht vorgehalten. Man könne daran sehen, «wie antimodernes, demokratiefeindliches, totalitäres Denken seinen Weg findet hinein in den Mainstream».

Erster Hippie oder Nazi-Wegbereiter

Der Einschätzung widersprachen Rezensenten wie Jan Küveler von der «Welt», der konstatierte: «Nun muss man in Diez einen Wegbereiter der Ironiefreiheit erkennen.» Neben anderen Befürwortern zählte für die «Rheinische Post» das Buch «seit Kehlmanns ‹Vermessung der Welt› zu den besten, geistreichsten und eloquentesten deutschen Romanen».

Verleger Helge Malchow von Kiepenheuer & Witsch warf wiederum im «Spiegel» einigen Kritikern «Denunziation» und Verfolgung im Sinne von «McCarthy reloaded» vor.

Aufgrund der Vorwürfe hatte Kracht eine Präsentation an der Leipziger Buchmesse im Frühjahr 2012 kurzfristig abgesagt. In der historischen Wirklichkeit soll das 1919 mit seinem Tod endende Wirken des oft als erster Hippie bezeichneten Engelhardt einerseits die amerikanischen Blumenkinder der 1960er und 1970er Jahre beeinflusst haben.

Andererseits mündeten die Ideen der damals grassierenden «Lebensreformbewegung», der er huldigte, auch in das Gedankengut der Nazis, die moderne Grossstadtkultur eher ablehnten und einem vermeintlich naturnahen Körperkult zugeneigt waren. (sda)

Erstellt: 24.04.2015, 14:35 Uhr

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