Drei Dialekte und ein Laborhund

Kein anderer Kabarettist lässt seine Fantasie so schön galoppieren wie Rittmeyer. Im jüngsten Programm hält er unter anderem eine Laudatio auf einen Laborhund. Zu sehen im Theater am Hechtplatz.

Kommt mit Tierfalle und krausen Geschichten: Joachim Rittmeyer.

Kommt mit Tierfalle und krausen Geschichten: Joachim Rittmeyer. Bild: Christian Altorfer

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Anlass für Rittmeyers neues Programm bietet das Verschwinden eines Tiers, das so selten sei, dass man die frei lebenden Exemplare an einer Hand, die in Gefangenschaft gehaltenen an einer Schreinerhand abzählen könne. Zu Beginn des Abends trägt Rittmeyer eine mächtige Tierfalle auf die Bühne, stellt sich uns als Tierforscher vor und eröffnet uns, das gesuchte Tier, das sich im Moment des Angriffs «optisch unscharf» mache und einem dann den «Astralkörper absauge», befinde sich irgendwo im Zuschauerraum.

Blickschärfung in Sachen Gesten

Krause Geschichten wie diese erzählt Rittmeyer am laufenden Band. Doch er ist nicht nur ein feinhumoriger Kabarett-Virtuose, der seine Geschichten und Nummern gekonnt miteinander zu verknüpfen weiss, er ist auch ein genauer Beobachter. Das zeigt sich, wenn er uns Gesten vorführt, die – bedingt durch den technologischen Wandel – verschwunden oder neu entstanden sind: Früher stemmte man die Zwischentüren in den Zügen auf, heute tippt man an den Sensor. Eine Blickschärfung in Sachen Gesten ist nach dem Besuch von Rittmeyers Programm zu erwarten.

Und dann sind da noch die Eigenheiten des Schweizer Dialekts, die Rittmeyer in seinen insgesamt drei Rollen auszuspielen vermag: Im Ostschweizer Akzent des Tierforscher-Assistenten erzählt er von dessen Rucksack (ein «Gschwür»); über die Tierforscher-Frau heisst es, sie sei manchmal eine «fertige Sphinx», und der osteuropäische Musiker – Rittmeyers dritte Rolle – möchte unbedingt so ein «Gred», von dem seine Schweizer Nachbarn die ganze Zeit sprechen – im Dialekt ist ein «Gred» und ein «Grät», ein «Gerede» und ein «Gerät», halt nur schwer voneinander zu unterscheiden. Keine Frage, mit «Lockstoff» ist Joachim Rittmeyer ein Kabarettabend der Extraklasse gelungen! (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.03.2011, 10:07 Uhr

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