LSD, Aids und Neoliberalismus

Im Theater Basel wurde der neue Spielplan vorgestellt – junge, kontroverse Theatermacher prägen ihn.

Widmet sich LSD-Erfinder Albert Hoffmann: Regisseur Thom Luz im Foyer des Basler Theaters. (7. Mai 2015)

Widmet sich LSD-Erfinder Albert Hoffmann: Regisseur Thom Luz im Foyer des Basler Theaters. (7. Mai 2015) Bild: Keystone

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Andreas Beck, ab Herbst Intendant des Theaters Basel, hat seinen ersten Spielplan vorgestellt. Beck ist der Nachfolger von Georges Delnon, der zur Hamburger Staatsoper wechselt. Auf den im Musiktheater überaus erfolgreichen Delnon folgt mit Beck ein Vertreter des Sprechtheaters. Zuletzt leitete der Dramaturg und Regisseur mit Jahrgang 1965 das Schauspielhaus Wien und machte es zu einem international beachteten Zentrum des zeitgenössischen Autorentheaters.

Am Donnerstag haben Beck und sein Leitungsteam im Theaterfoyer den Medien ihre Pläne präsentiert. Und während in Ballett und Oper weitgehend Kontinuität herrscht, wird das Sprechtheater runderneuert. Beck hat das Ensemble auf 26 Schauspieler aufgestockt, darunter einige Bisherige und einige, die er aus Wien mitbringt.

Junges Regiequartett

Zum Leitungsteam gehören vier junge Hausregisseure. Der Schweizer Thom Luz hat bereits am Theater Basel inszeniert; er erarbeitet das Projekt «LSD - Mein Sorgenkind» über den Basler Chemiker Albert Hoffmann, der 1943 zufällig die Droge LSD entdeckte.

Julia Hölscher bringt die Uraufführung von «Schlafgänger» nach dem Roman der jungen Schweizerin Dorothee Elmiger und W. A. Mozarts «Zauberflöte» auf die Bühne. Der in Basel geborene Australier Simon Stone inszeniert Tony Kushners «Engel in Amerika», ein Stück über Aids und Neoliberalismus, und eine eigene Bearbeitung von Henrik Ibsens «John Gabriel Borkmann».

Szenische «Übermalungen»

Nora Schlocker zeigt Maxim Gorkis «Kinder der Sonne» und ein Auftragswerk des jungen Österreichers Ewald Palmetshofer nach Christopher Marlowes Tragödie «Edward II.». Palmetshofers Stück ist Teil einer besonderen «Basler Dramaturgie»: Historische Stoffe werden von heute aus bearbeitet, szenisch «übermalt».

So setzt sich die Schweizerin Darja Stocker mit Antigone auseinander, der italienische Theatermacher Antonio Latella mit Oedipus. Vorbild ist Friedrich Dürrenmatts in Basel uraufgeführte Strindberg-Paraphrase «Play Strindberg», die ebenfalls gezeigt wird.

Becks Theater will auf die Region zugehen. Einzelne Produktionen sollen auch in Baselland gezeigt werden und die mehrteilige Theaterserie «Kommissär Hunkeler: Ein Fall für Basel» an Originalschauplätzen in der Innenstadt.

Musical und Mysterienspiel

Beck strebt mittelfristig die Verzahnung der Sparten an. So hat es symbolischen Charakter, dass das nach wie vor von Richard Wherlock geleitete Ballett erstmals im Schauspielhaus tanzen wird. Auf der Grossen Bühne zeigt die Compagnie unter anderem eine «Dornröschen«-Version des spanischen Newcomers Alejandro Cerrudo.

Die Opernsaison beginnt mit Modest Mussorgskys Volksdrama «Chowanschtschina», bringt unter anderem das Musical «Jesus Christ Superstar» und Giuseppe Verdis «Macbeth» und endet mit Karlheinz Stockhauses Mysterienspiel «Donnerstag» aus dem Zyklus «Licht».

Das Musikheater «Melancholia» von Sebastian Nübling und Ives Thuwis führt die Zusammenarbeit mit dem Barockorchester «La Cetra» und dem Dirigenten Andrea Marcon weiter. (sda)

Erstellt: 07.05.2015, 18:24 Uhr

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