Liebesträume, Lebenslügen, Fluchtgedanken

Die St. Galler Autorin Christine Fischer hat mit «Black Boxes» ein Stück geschrieben, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart, Jugend und Alter verweben. Premiere ist am 10. August.

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Das St. Galler Theater Parfin de Siècle bringt das neueste Stück von Christine Fischer in spotartigen Szenen auf viele Mikro- Spielebenen in der Orangerie des Botanischen Gartens St. Gallen. Arnim Halter inszeniert die Szenen aus dem Leben dreier Liebender - Ines und Pierre, Pierre und Madelaine. Eine Dreiecksgeschichte, ein Geflecht von Liebesträumen und Lebenslügen.

Liebe zum Blues

Gezeigt wird die Lebensgeschichte der drei auf zwei Zeitebenen: In der Adoleszenz in den 1970er Jahren und als Menschen an der Schwelle zum Alter in der Gegenwart. Der Sohn von Ines, Gregory, singt den stücklangen Blues zum Geschehen - vor einem Hintergrund in Siebzigerjahre-Orange - Bühnenbild: Urban Breitenmoser.

Die Jura-Studenten Madelaine und Pierre sind ein Paar. Madelaine ist zugleich die beste Freundin von Ines. Und Pierre betrügt Madelaine mit Ines. Die Handlungsstränge verweben sich: In Rückblenden wird die Geschichte aufgedeckt - lauter kleine Black Boxes.

Parallel dazu das alternde Paar Ines und Pierre, die sauer gewordene Liebe, die falschen Bilder, Sehnsüchte, die Sticheleien, das Runtermachen, Fluchtgedanken, die Wehmut, das fatale menschliche Talent, auch noch das Schrecklichste zu verdrängen.

Das Schiff und der Spiegel

Das Stück stellt die Frage nach Motiven und Sehnsüchten menschlichen Strebens. Durch die Handlung führen mehrere rote Stränge: Das Schiff, auf dem Ines und Pierre ihre Flitterwochen verbrachten. Pierre sieht es im immer währenden Sonnenschein, Ines im Nieselregen: «Dein Leben ist ein Schiff in einer Flasche.»

«Die Liebe ist ein Spiegel, den eine Göttin aus Wut über den Verrat ihres Liebsten auf die Erde schmetterte - die Menschen klauben nun die Bruchstücke zusammen.» Pierre wendet die Metapher: «Die Liebe ist ein Spiegel, den ein Gott aus Wut über den Verrat seiner Liebsten zerschmetterte.» Pierre liebt Ines noch. Ines kontert: «Die Liebe ist zu gross für uns.» Und: «Wer liebt, wird schuldig.»

Arnim Halter inszeniert ein temporeiches, spannendes Stück von ungewöhnlicher Struktur, mit perfekter Präzision, untermalt von Musik von Stefan Suntinger. Regine Weingart verkörpert die Ines von heute, Yvonne Barthel die Ines von damals im 1970-er Outfit partin de siecle(Kostüme Daniela Müller), Utz Bodamer gibt den Pierre heute, Dave Gilgen den Pierre von damals, Vanessa Sedleger die Madelaine, Gabor Németh stellt Gregory dar. (net/sda)

Erstellt: 08.08.2011, 11:56 Uhr

Inszeniert ein temporeiches, spannendes Stück: Der Regisseur Arnim Halter.

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