Interview

«Mal diese Frau, mal jene Frau»

Am Montag erhielt Julia Häusermann, Zürcher Schauspielerin mit Downsyndrom, den Alfred-Kerr-Darstellerpreis – im Interview spricht sie über den Erfolg, Leonardo DiCaprio und ihre Pläne.

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Julia, wie wars, als Sie den Preis gewonnen haben?
Super! Das Gefühl ist schön: Lachen und Weinen. Ich habe gedacht, dass ich diesen Preis verdient habe. Er ist mir wichtig – so fühle ich mich gut.

Wie haben Sie den Sieg gefeiert?
Überhaupt nicht, überhaupt nicht. Gut, zwei Gläser Orangensaft habe ich getrunken und ein Schweineschnitzel gegessen – das war sehr fein, aber zu gross. Den Salat habe ich Urs (Beeler, Anm. d. Red.) gegeben.

Was tun Sie nun mit den 5000 Euro Preisgeld?
Ich kaufe mir ein iPad. Aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich es mir nicht besser von meiner Mutter zum Geburtstag schenken lasse. Das muss ich mir noch überlegen.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Jérôme Bel erlebt?
Sehr super! In Paris habe ich gemerkt, dass es Spass macht mit Jérôme. Er ist wie ein Kollege von mir. Ich habe mit ihm gearbeitet, vor allem auch an den Tanzsolos. Ich habe geschaut, was er will und was er nicht will bei den Tanzsolos.

Sie sind auf der ganz grossen Bühne angekommen. Warum sind Sie Schauspielerin geworden?
Das wollte ich immer schon sein. Schon in der Schule habe ich Theater gespielt, da wusste ich, wie das geht. Dann habe ich im Theater Hora meine Ausbildung gemacht. Letztes Jahr habe ich dann mit Jérôme in «Disabled» gearbeitet. Er wollte als Erster, dass ich auf der Bühne meinen echten Namen nenne. Aber wenn ich tanze, bin ich Justin Bieber, dann bin ich Michael Jackson.

Wer sind Ihre Vorbilder?
Ich bin Fan von Leonardo DiCaprio. Vor allem gefällt mir «Der Mann mit der eisernen Maske». DiCaprio spielt darin eine Doppelrolle. Gut finde ich auch Shan Khan, den Bollywood-Schauspieler. Aber vor allem DiCaprio, den ich gerne mal besuchen würde, wie Justin Bieber auch. Beide leben in Los Angeles, daher würde ich gerne mal dorthin gehen.

Gibt es noch andere Gründe für Sie, nach Los Angeles zu gehen?
Ich würde gerne in Filmen mitspielen, verschiedene Rollen spielen – mal diese Frau, mal jene Frau. Es gibt dort aber auch viele Musiker, ich würde gerne mehr singen, in Videoclips mitmachen. Ich würde gerne Schauspielerin bleiben, aber Singen ist mein Leben.

Können Sie sich vorstellen, mal dorthin auszuwandern?
Ja, aber nur im Sommer. Wenn die Zeit gekommen ist zu gehen, dann gehe ich.

Julia Häusermann spielt als Mitglied des Theaters Hora in vier Produktionen («Soli», «Paganini & Ich», «La petite mort» und «Hora tanzt dessen ungeachtet») am Internationalen Theaterfestival Okkupation in der Roten Fabrik, 22. Mai bis 1. Juni.

Erstellt: 21.05.2013, 17:36 Uhr

Zur Person

Gestern Montag wurde Julia Häusermann (*1992) der renommierte Alfred-Kerr-Dastellerpreis verliehen. Stifter des Nachwuchspreises sind Judith und Michael Kerr, die Kinder des Theaterkritikers Alfred Kerr; 2002 gewann Bettina Stucky den Preis. Häusermann wurde für ihre Rolle in «Disabled» prämiert, eine Inszenierung des französischen Choreografen Jérôme Bel. Sie verfüge über ein Spiel «von immenser Kraft und beängstigender Zartheit», erklärte die Jury. Die Zürcherin ist seit 2010 Mitglied des Theaters Hora, das der Stiftung Züriwerk angegliedert ist und in dem seit 20 Jahren Behinderte professionell mittun. Das Theater Hora steht unter der künstlerischen Leitung von Michael Elber, ausgebildet wurde Häusermann von Urs Beeler. (lsch)

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