Nur ein schöner Traum

Far A Day Cage setzt in «Hamlet» auf das typische Spiel im Spiel.

Die Schauspieler reden als Karikaturen ihrer selbst: «Hamlet» im Theaterhaus Gessnerallee.

Die Schauspieler reden als Karikaturen ihrer selbst: «Hamlet» im Theaterhaus Gessnerallee. Bild: PD

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«Hamlet, anschliessend Publikumsgespräch» heisst der Abend im Zürcher Theaterhaus Gessnerallee, der damit beginnt, dass die Mitglieder von Far A Day Cage als Karikaturen ihrer selbst über die Arbeit an einer «Hamlet»-Inszenierung berichten, die wir gerade gesehen hätten. Das macht Spass! Denn da es sich um die Persiflage eines Publikumsgesprächs handelt, darf man ganz offen über die Floskeln, die Plattitüden und das angelesene Wissen lachen, mit denen solche Diskussionen so oft bestritten werden: «Megagern» habe er die Sprache von Shakespeare, sagt der Hamlet-Darsteller Philippe Graff. Die Produktionsdramaturgin Linda Best gibt einen Gedanken aus Jan Kotts «Shakespeare heute» zum Besten, und der Bühnenbildner Stephan Weber erzählt von einem Ausflug ins Technorama, wo er nach Inspiration für den Geist suchte, den er für die Inszenierung brauchte. Zugleich gibt das inszenierte Publikumsgespräch Raum für Abseitiges aus dem Shakespeare-Kosmos: Jesse Inman hat Hamlets «Sein oder Nichtsein»-Monolog auf Klingonisch gelernt (einer Sprache aus Stark Trek), worauf auf der Bühne die hitzig-witzige Diskussion ausgetragen wird, ob Klingonen denn Gefühle empfinden können.

Leerlauf und Klischees

Während dieser Diskussion hegt man die Hoffnung, die Gruppe um den Regisseur Tomas Schweigen könnte mit ihrem inszenierten Publikumsgespräch über den selbstreferenziellen Witz und die Verhandlung von Klischees hinausgehen: Man hat die Erwartung, aus den im Gespräch gestreuten Hinweisen würde die «Hamlet»-Inszenierung allmählich entstehen – in der eigenen Vorstellung und damit in jedem Zuschauerkopf anders. Damit würde der Traum wahr werden, von dem Tomas Schweigen uns erzählt: Er träumt davon, dass er alle Zuschauererwartungen zusammennehmen und diese mit seiner Inszenierung in Erinnerung überführen könne. Ein schöner Traum! Und bis zu diesem Moment schien er sogar greifbar. Doch alles, was darauf folgt, arbeitet seiner Realisierung entgegen: Mit Hamlets Worten an die Schauspieler, mit denen er die Inszenierung seiner «Mausefalle» vorbereitet, wird das Publikumsgespräch aufgehoben.

Far A Day Cage wechselt vom Spiel ins Spiel, vom inszenierten Publikumsgespräch in die Szenen aus «Hamlet» – zunächst hinter dem noch immer geschlossenen Vorhang und schliesslich auf offener Bühne. Gewiss, «Far A Day Cage» spielt durchgehend mit den verschiedenen Spielebenen; Kommentare unterbrechen die Shakespeare-Szenen, und am Ende beginnt wieder eine Publikumsdiskussion, – diesmal hinter dem geschlossenen Vorhang und vor den auf der Bühne aufgebauten Zuschauerreihen, womit sich der Abend zu einer Endlosschleife rundet. Doch trotz Spiels mit den Ebenen, der Spiegelung und der Rekursion erreicht «Far A Day Cage» mit ihrem «Hamlet» kein interessantes Reflexionsniveau, sondern produziert im zweiten Teil ihres Abends nur noch Leerlauf – und Klischees.

Erstellt: 03.06.2011, 08:00 Uhr

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