Hintergrund

Pereira wechselt nach Mailand

Der ehemalige Zürcher Opernintendant übernimmt 2015 die Leitung der Scala. Alexander Pereiras jüngster Kollisionskurs bei den Salzburger Festspielen hatte auf einen Wechsel hingedeutet.

Beim letzten Intendanten-Wechsel an der Scala wurde er noch nicht berücksichtigt: Alexander Pereira. (Archivbild)

Beim letzten Intendanten-Wechsel an der Scala wurde er noch nicht berücksichtigt: Alexander Pereira. (Archivbild) Bild: Keystone

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Eine Überraschung ist es nicht. Schon seit Wochen wurde Alexander Pereira in den italienischen Medien als Favorit für die Nachfolge des Scala-Intendanten Stéphane Lissner gehandelt, der 2015 an die Pariser Oper wechselt. Pereira selber hatte seine Kandidatur bestätigt. Und die Art, wie er in Salzburg auf Kollisionskurs ging – gegenüber dem Bürgermeister Heinz Schaden, gegenüber der Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler – liess eigentlich nur einen Schluss zu: Pereira wusste genau, dass er nicht mehr lange in Salzburg bleiben wird.

Beim letzten Intendanten-Wechsel an der Scala hatte es noch nicht geklappt für den damaligen Zürcher Opern­hausdirektor. Das war im Jahr 2005, und Pereira galt als aussichtsreichster Kandidat. Warum es dann doch nicht geklappt hat, blieb unklar: Pereira selbst sagte ­damals, er habe wegen seiner «übergrossen Liebe zu Zürich» auf den Posten verzichtet (und weil der Zürcher Kantonsrat eine vorgesehene Kürzung der Subventionen zurückgenommen hatte). Die italienischen Zeitungen dagegen meldeten, er wäre zu teuer gewesen für die Scala.

Stéphane Lissner, der damals das Rennen machte, war auch nicht billig: Rund 350'000 Euro beträgt sein Fixlohn. Pereira wird nun laut dem Mailänder Bürgermeister Giuliano Pisapia eine Kürzung von 25 Prozent in Kauf nehmen müssen – womit er ungefähr gleich viel verdienen wird wie bisher. Antreten wird er sein Amt 2015, also ein Jahr vor Ablauf seines Salzburger Vertrags. In Salzburg hat man ihm schon früh klar gemacht, dass man keine «Nebenjobs» dulden werde; es wird also wohl zu einem vorzeitigen Ausstieg kommen.

(Alp-)Traum Salzburg

Alexander Pereira selbst dürfte darüber alles andere als traurig sein. Die Salz­burger Festspiele waren für den über­zeugten Österreicher und Glamour-Spezialisten zwar schon immer die Traum-Destination gewesen: «Es ist schön, in der Heimat noch einmal einen Platz zu finden», sagte er nach seiner Ernennung im Sommer 2012. Und: «Ich will beweisen, dass die Einmaligkeit eines solchen Festivals heute noch möglich ist, dass man also ausschliesslich Premieren bringen kann.»

Dieses Konzept hat dann aber schon vor seinen ersten Festspielen im vergangenen Sommer für Misstöne gesorgt. Zu teuer, befand man in Salzburg – und Pereiras übliche Droh-Taktik («dann gehe ich halt») verfing nicht. Man einigte sich schliesslich auf einen Kompromiss, vorübergehend zumindest. Aber in den letzten Monaten ist der Konflikt erneut eskaliert: «Vom versprochenen und vereinbarten Zurückfahren kann keine Rede sein», monierte Bürgermeister Schaden und kündigte an, dass Pereiras Vertrag ganz bestimmt nicht über das Jahr 2016 hinaus verlängert werde.

Solche Sätze ist sich Pereira nicht gewohnt. Kein Wunder, hat er sich nach einer neuen Traum-Destination umgesehen. Und er war offenbar der Traum­kandidat in Mailand: Die Wahl war – trotz starker Konkurrenz durch Pierre Audi und Sergio Escobar – einstimmig. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.06.2013, 19:24 Uhr

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