Zürcher Theaterspektakel

Zitterrochen und Wellenschlangen

Aus Polen ist die Choreographin, die DJane ist deutsch-israelisch, die Tänzer kommen aus Afrika: Ihr Street Dance funkte am Theaterspektakel in Zürich.

Bild: PD

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Da sitzen sie, die drei Tänzer aus Kinshasa und die DJane aus Israel, und warten auf das Publikum, das allmählich den Zuschauerraum füllt. Hinter den Kulissen brodelt eine Rauchmaschine und aus den Lautsprechern brummt ein leiser, steter Beat. Die vier auf der Bühne lassen sich Zeit, spielen mit Handies und Computer-Tablets, und lassen nun ihrerseits das Publikum warten.

Doch dann legen sie los. Jeder hat seine ganz unterschiedlichen Spezialitäten – Electric Boogie, Break-Dance, Krumping. Vor allem aber sind alle drei Meister der Geschwindigkeit und der Körperbeherrschung. Sie lassen Wellen durch ihre Körper laufen, kreisen ihre Hüften wie Hula-Tänzerinnen auf Hawaii , zittern mit Armen, Beinen oder Schultern als hätten sie zu viel Strom abbekommen und wackeln mit dem Hintern als wären sie Bauchtänzerinnen in Ägypten.

Die Geburt des Streetdance aus dem WWW

Die kanadisch-belgische Choreographin Ula Sickle mit polnischen Wurzeln ist zum wiederholten Mal in den Kongo gereist, um zu erforschen, wie sich die Tanzenden dort – via Handy und iPad – die neusten Bewegungen im internationalen Streetdance aneignen. Sie ahmen nicht nur nach, sondern mischen die Einflüsse aus aller Welt mit traditionell afrikanischen Bewegungsmustern und Rhythmen. Und weil ohne Mode und Musik in Kinshasa absolut nichts zu laufen scheint, gehören auch knallbunte T-Shirts und geflügelte Turnschuhe in diese sehr sinnliche Aufführung.

Vieles wirkt improvisiert: Die Tänzer halten auch mal inne, um die Bewegungen ihrer Kollegen zu würdigen, sie animieren das Publikum zum Fingerschnippen und die DJane «Baba Electronica» zum Zwiegespräch zwischen Tanz und Ton. Erst wenn sie sich nur Augenblicke später wieder synchron bewegen wird klar, wie streng durchchoreographiert die Show tatsächlich ist. Sie schenkt uns einen Blick auf die Jugend in den afrikanischen Grossstädten der Gegenwart, die unsere westlichen Werte in sich aufsaugt ohne dabei ihre Identität zu verleugnen. Das Ergebnis hat viel mit Lebensfreude zu tun.

Bis 31.8. (Sa. 19 Uhr, So. 18 Uhr).

Erstellt: 30.08.2014, 13:02 Uhr

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