Zürcher Theaterwelt läuft wegen AfD-Rechtspopulist Sturm

Das Zürcher Theaterhaus Gessnerallee lud zum Podium mit AfD-Denker Marc Jongen. Wird die Veranstaltung nun abgesagt?

Die «Zeit» nennt ihn den «philosophischen Kopf» der ultrarechten Alternative für Deutschland: Marc Jongen.

Die «Zeit» nennt ihn den «philosophischen Kopf» der ultrarechten Alternative für Deutschland: Marc Jongen.

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Wie schwächt man den Rechtspopulismus? Das fragen sich Progressive in den USA wie in Europa; und am Theaterhaus Gessnerallee trat man die Flucht nach vorn an und wollte, unter dem fragwürdigen Titel «Die neue Avantgarde», Stimmen rechts der Mitte eine Plattform geben. Geplant war eine Podiumsdiskussion zwischen dem Sloterdijk-Schüler und AfD-Denker Marc Jongen – die «Zeit» nennt ihn den «philosophischen Kopf» der ultrarechten Alternative für Deutschland –, dem Vizedirektor des Liberalen Institut Zürich, Olivier Kessler, dem Kunstwissenschaftler Jörg Scheller und Laura Zimmermann, Co-Präsidentin der liberalen Operation Libero; moderieren sollte Christopher Kriese vom progressiven Kunstkollektiv Neue Dringlichkeit.

Doch die Einladung Jongens führte zu Aufruhr. Auf dem Web-Portal «Nachtkritik» haben Kritiker einen offenen Brief publiziert, wo sie fordern, «der AfD keine Bühne zu bieten». Mittlerweile haben mehrere Hundert Kulturschaffende signiert, viele aus Berlin, aber auch aus Wien, München, Hamburg und der Schweiz. So findet man Diedrich Diederichsen, Falk Richter, Ursina Greuel, Samuel Schwarz, Bastian Kraft und Cathrin Störmer auf der Liste. Der Brief erinnert daran, dass die AfD selber gerade keinen Dialog sucht, sondern im Gegenteil gesellschaftskritischen Kulturprojekten den Hahn abdrehen will: «Würde die AfD einen Kulturort wie die Gessnerallee nicht zuallererst abschaffen?»

Jörg Scheller wehrt sich in einer «Offenen Antwort» auf diesen Brief gegen die Unterstellung, er werde am Podium wohl (zu) unkritisch auftreten, und sagt, dass die Taktik, Gegnern von rechts keine Plattform einzuräumen, kontraproduktiv sei und Opfermythen generiere; die Auseinandersetzung müsse öffentlich und direkt geführt werden. Ob Scheller dies zu leisten imstande ist, ob das Podium besser ausgewogener besetzt sein sollte oder ob die Veranstaltungskritiker zu viel Angst haben vor Jongens Eloquenz und Kunsträume als geschützte Werkstatt für Linke betrachten: Über all dies ist ein heftiger Streit entbrannt. So heftig, dass die Gessnerallee nun am 10. März, eine Woche vor dem Podium am 17. März, alle einlädt, «die über andere Strategien nachdenken wollen, dem erstarkenden Rechtspopulismus entgegenzutreten. Dort wird entschieden, ob das Podium stattfindet oder durch andere Formate ersetzt werden muss.»

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Soll Jongen in der Gessnerallee auftreten dürfen?




Erstellt: 28.02.2017, 15:13 Uhr

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