Zum Hauptinhalt springen

Der Maler und die Heimat – eine schwierige Liebe

«Der Hodler» heisst Ruedi Häusermanns neues, subtiles Musiktheater-Projekt. Am Samstag fand die Uraufführung in der Schiffbau-Box des Zürcher Schauspielhauses statt.

«Der Hodler» im Theater Schiffbau in ZürichSzenen des Stücks aus der Fotoprobe am 8. April
«Der Hodler» im Theater Schiffbau in ZürichSzenen des Stücks aus der Fotoprobe am 8. April
Steffen Schmidt, Keystone
.
.
Steffen Schmidt, Keystone
.
.
Steffen Schmidt, Keystone
1 / 8

Die Bezeichnung Musiktheater ist wortwörtlich zu verstehen: Hier wird Musik und Theater gespielt (und nicht gesungen). Auf der Bühne agieren die Schauspieler Jan Bluthardt, Klara Manzel, Nicolas Rosat und Hansrudolf Twerenbold sowie die Streicher Benedikt Bindewald, Josa Gerhard, Christoph Hampe und Sara Hubrich.

Als Künstler lange unterschätzt

Bereits in früheren Projekten beschäftigte sich der Lenzburger Komponist und Regisseur Häusermann mit Künstlerpersönlichkeiten, etwa Bichsel oder Walser. Mit «Der Hodler» umkreist er erstmals Leben und Werk eines Malers. Der rote Faden des eigenwilligen Musiktheater-Abends bildet die Biographie Ferdinand Hodlers.

Das Publikum hört Zitate aus Tagebüchern und Briefen über die verschiedenen Abschnitte im Leben des bedeutenden Schweizer Malers (1853 bis 1918), der in seinem Heimatland lange nicht die verdiente Achtung genoss. Dazu werden Selbstporträts aus der jeweiligen Zeit auf eine Leinwand projiziert.

Mehrstimmige Volkslieder als Code

«Der Hodler» spielt auf einer nach Probenbetrieb aussehenden Bühne, die sich (fast) beliebig umbauen lässt. So stehen die riesigen, mit Leinwand bespannten Rahmenelemente bald an der Wand und werden bemalt, bald bilden sie eine Art weisses Labyrinth – um sich schliesslich zu einem Ausstellungsraum zusammenzufügen.

In diesem blendend weissen Saal bereiten sich die acht Darsteller auf die Vernissage einer Hodler-Werkschau vor. Sie singen, wie schon früher in dem zweistündigen Stück, ein mehrstimmiges Schweizer Volkslied. Dadurch wird Hodlers Heimatliebe, die sich etwa in den Landschafts- oder Tellgemälden ausdrückt, treffend dargestellt.

Problematische Liebe zur Heimat

Dass es sich dabei um eine problematische Liebe handelte, zeigt sich in den vom Streichquartett (mit zwei Bratschen) gespielten Musikpassagen. Da tost und braust es bisweilen ganz gewaltig! Immer wieder kommen zu den Streicherklängen auch Geräusche hinzu: etwa das Zerknüllen von Zeitungspapier oder das Abreissen von Klebband.

Bis rund eine halbe Stunde vor Stückende bekommt das Publikum, ausser den Porträts, keine Hodlergemälde zu sehen; es wird bloss darüber gesprochen. Wenn dann mit einem Mal monumentale Landschaften auf dem Bühnenhintergrund erscheinen, so hat dies eine unglaubliche Wirkung – erst recht mit dem dezenten Streicher-Klangteppich dazu.

Veranstaltungshinweis: Weitere Vorstellungen am 11., 13., 14., 16., 18. und 19. April sowie im Mai und Juni.

SDA/raa

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch