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Die neue Neumarkt-Leitung startet mit einem Schwank

Rafael Sanchez, der mit Barbara Weber neu das Zürcher Theater Neumarkt leitet, zeigt als Erstes Lars von Triers Komödie «Der Boss von allem».

Peter Müller
Der Neumarkt-Jux bringt den Büroalltag zum Tanzen.
Der Neumarkt-Jux bringt den Büroalltag zum Tanzen.
JUDITH SCHLOSSER

Den Fehler ihres Vorgängers Wolfgang Reiter vermeiden Barbara Weber und Rafael Sanchez. Reiter hatte vor vier Jahren seine Direktion mit einer experimentellen «Emilia Galotti» begonnen und sich von diesem Flop nie mehr ganz erholt. Verglichen mit dem schwierigen Lessing-Klassiker sind eine moderne Verwechslungskomödie und der Name Lars von Trier sichere Werte. Und siehe da: Nach 90 Minuten klatscht das Premierenpublikum gutwillig.

Lars von Trier, der Dogma-Däne, erzählt in seinem Film «The Boss of it All» (2006) eine kuriose Geschichte. Der harmoniesüchtige Unternehmer Ravn verschweigt seiner Belegschaft, dass er der Chef ist, und schiebt alle Entscheide einem fiktiven «Boss von allem» zu. Nun will Ravn hinter dem Rücken des Personals die Firma verkaufen, doch der ausländische Investor (im Film ist es ein struppiger Isländer, auf der Neumarkt-Bühne ein zierlicher Japaner) besteht darauf, mit dem «Boss von allem» persönlich zu verhandeln. Worauf Ravn den arbeitslosen Schauspieler Kristoffer als Strohmann engagiert, der erst nach und nach merkt, worauf er sich da eingelassen hat.

Kein Realismus im Theater

Von Triers Film erinnert zwar immer wieder daran, dass er ein Film ist, aber er behält bei allem Jux einen subversiven Realismus. Da hat ein Unternehmer neben der hinterfotzigen auch eine irrationale Seite – ausgerechnet ein Komödiant soll die kapitalistische Logik retten. Im Theater ist es mit allem Realismus vorbei. Das Büromobiliar steht gestapelt an der Bühnenhinterwand (Bühne Simeon Meier). Die Chefs hopsen, und die Perücken und Klebschnäuze des Personals betonen noch den Schwank.

Das neue Ensemble, das blitzschnell die Rollen wechselt, zeigt Qualitäten. Wunderbar doof ist Yvon Jansens Blick, durch Brillengläser so gross wie Wagenräder. Rahel Hubacher brilliert mit erotischer Tatkraft hinter Topfpflanzen. Besonders streng hat es Thomas Müller als cholerischer Computertechniker, Regisseur mit rotem Künstlerschal und Übersetzer des kaufwilligen Japaners (Satoshi Ito).

Ihre Rollen behalten Matthias Breitenbach, der Ravn komisch, aber gekonnt dezent spielt, und Sigi Terpoorten als Schauspieler und angeblicher Boss. Schon sein gross karierter Anzug, der an Clowns erinnert, ist ein Handicap. Überdies dreht Terpoorten bis zum Klamauk auf. Wo der Film raffiniert bös ist, bleibt Sanchez` Inszenierung mässig lustig und harmlos.

Doch das war ja nur der erste Streich. Weitere folgen gleich. Kodirektorin Barbara Weber hat ein Projekt rund um das Musical «Hair» entwickelt.

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