Zum Hauptinhalt springen

Diese Küsse in Mossul waren lebensgefährlich

Milo Raus Theater «Orest in Mossul» handelt von Homosexuellen – im vom IS zerstörten Gebiet ein heikles Thema.

Sie küssen sich innig. Orest und Pylades, die zwei Cousins, die im antiken Mythos schliesslich nach Mykene aufbrechen, um Orests Mutter Klytemnästra zu töten, eint «das Band einer zärtlichsten Freundschaft», wie es traditionellerweise über die beiden heisst.

Dass sie auf der Bühne des 21. Jahrhunderts als schwules Liebespaar auftreten – geschenkt. Aber wenn der Este Risto Kübar als Orest und der Iraker Duraid Abbas Ghaieb als Pylades sich auf den Brettern nahekommen, ist das mehr als eine simple Aktualisierung: Bei der Produktion im nordirakischen Mossul galten solche Küsse als lebensgefährliches Bekenntnis zu freiheitlichen Werten – und als Ehrung aller irakischen Homosexuellen, die vom IS von Hochhausdächern gestossen oder sonst wie ermordet worden sind.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.