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Ein Märchen im Hier und Jetzt

Die Jungregisseurin Laura Koerfer adaptiert Fassbinders Film «Faustrecht der Freiheit» im Zürcher Theater Neumarkt. Die zeitgenössische Inszenierung leidet an verwirrendem Beiwerk.

Rainer Werner Fassbinders filmische Vorlage erzählt die Geschichte des schwulen Schaustellers Fox, der im Lotto gewinnt. Das zieht «höhere Kreise» an. Sein ganzes Geld investiert er in die Liebe zu Eugen, Sohn eines bankrotten Unternehmers.

In seinem naiven Glauben ans Glück hilft Fox der Firma über die Runden. Nach Eugens Vorgaben kauft er eine Eigentumswohnung, während sein Liebhaber seine Gefühle immer hemmungsloser ausgebeutet. Plötzlich sieht Fox klar, löst die Bindung - und bringt sich um. Der harte Schluss: Fox liegt in einer Unterführung und wird von zwei Schuljungen skrupellos ausgeplündert.

Frau mit Drive

An der Chronologie des Films hält Laura Koerfer fest. Allerdings nimmt sie einige Veränderungen vor, um dem Stoff den eigenen Stempel aufzudrücken. So etwa wird Fox zu Foxi, der Mann zu einer Frau: zu einer heutigen Frau mit Rossschwanz, Lederjacke, Leggins und kniehohen Stiefeln (Kostüme: Sara Giancane).

Katarina Romana Schröter spielt Foxi mit viel Drive: ungehobelt, frech, liebessüchtig. Erstaunt, höchstens ein bisschen erschreckt beginnt sie im Laufe des Stücks zu ahnen, wie der Hase läuft. Dennoch behauptet sie fast bis zum Schluss, noch nie so glücklich gewesen zu sein. Den Selbstmord erspart Koerfer ihrer Hauptdarstellerin. Stattdessen sitzt Foxi am Ende auf der Bühne und lächelt traurig ins Publikum.

Auch Foxis Liebe besetzt Koerfer weiblich. Die bisexuelle Eugenie (Tabea Bettin) tritt als Verführerin auf, ganz in Weiss mit langen blonden Locken. Dann aber verwandelt sie sich in die kühl-elegante, braunhaarige Geschäftsfrau, die sich mehr für Ökonomie als für Foxis Gefühle interessiert. Darüber vermögen selbst ihre immer mal wieder fliessenden Tränen nicht hinwegzutäuschen.

Spielen lässt die Regisseurin auf oder neben einer runden, drehbaren Varieteebühne (Thomas Giger), die durch einen Lamellenvorhang unterteilt ist. Das macht Sinn, weil sich so die einzelnen Szenen fliessend aneinanderreihen. Zudem zeigt sich Foxis Ausweglosigkeit: Die Bühne kreist nur in einer Richtung, das Rad der Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen.

Schuss daneben

Leider aber verpasst Koerfer der Inszenierung noch allerlei Beiwerk, das der Aktualisierung dienen soll, das aber nur verwirrt und den Schwung bremst. So kommen über Videos von Elvira Isenring immer wieder «Experten» zu Wort, ein Pfarrer etwa, ein Philosoph, eine Tanzlehrerin, die mit ihren Statements über Hoffnung, Glück oder Bildung über das Publikum herfallen.

Weitere Filmsequenzen zeigen verschwommene Stadtbilder bei Nacht, Zürcher Impressionen wohl, die das Stück krampfhaft im Hier verorten sollen. Für zusätzliche Ablenkung sorgt die häufig viel zu laute Musik (Tim Standring), die das Geschehen mehr stört als atmosphärisch begleitet.

Und schliesslich geraten die beiden Schauspieler Alexander Seibt und Philippe Graber nicht selten zu Karikaturen. Sie spielen je etliche Rollen und sollen in lächerlich überdrehter Art dem Publikum auch ein wenig Gaudi bescheren. So aber geht der Schuss voll daneben. Witzfiguren werden diesem Stoff nicht gerecht.

(SDA)

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