Ein Vernetzer mit Zurückhaltung

Der Kurator Matthias von Hartz leitet Zürichs Theater Spektakel.

«Ein Festival für alle»: So lautet das Motto des Zürcher Theater Spektakels von Matthias von Hartz. Bild: Getty Images/Timur Emek

«Ein Festival für alle»: So lautet das Motto des Zürcher Theater Spektakels von Matthias von Hartz. Bild: Getty Images/Timur Emek

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Auf den ersten Blick sieht das neue Programm des Zürcher Theater Spektakels so aus, als habe sich nichts verändert. Als sei jetzt kein neuer Leiter am Drücker, kein neuer Meister über die 18 Tage, die in der Limmatmetropole als sechste Jahreszeit gefeiert werden, kein neuer Herr auch über dieses Budget von knapp 5 Millionen Franken, das zu einem Drittel von der Stadt berappt wird.

Und weil Matthias von Hartz, 1970 in bayrischen Augsburg geboren, eine schier helvetische Zurückhaltung besitzt, betont er auch gleich: Erstens verantworte das neue Programm eine ganze Gruppe von Mitwirkenden, die dem Festival teils seit längerem verbunden sind. Und zweitens habe er ja schon früher oft das Theater Spektakel besucht – etwa als Kurator des mittlerweile eingestellten Berliner Festivals Foreign Affairs und als Verantwortlicher des Internationalen Sommerfestivals auf Kampnagel Hamburg. Und da habe er gesehen, dass es gut sei. Man müsse nichts radikal umgestalten, sondern ergänzen, ausweiten, weiterführen.

Und genau dies tut der Mann mit der geradezu hanseatischen Eleganz in seinem Einstandsprogramm, das er gestern vorgestellt hat und das am 16. August startet. Vom Naturell her ist von Hartz ein grosser Vernetzer und Transfer-Denker: Er hat Volkswirtschaft an der London School of Economics studiert, bevor er sich an der Hamburger Theaterakademie ins Fach Regie einschrieb. Und nun denkt er beispielsweise das alte Spektakel-Konzept der Internationalität und der Inklusion fort – sowohl ganz konkret als auch hochtheoretisch. Wer möchte, kann etwa Tickets für Flüchtlinge und andere Bedürftige günstig sponsern, und diese werden dann von entsprechenden Vereinen verteilt; auch Solidar-Getränkebons kann man erwerben.

Gesamtwerk der Künstler rückt in den Fokus

Ausserdem sitzen in einem neuen Festival­beirat fünf Menschen mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus. Und auf der Bühne werden drei herausragende Wissenschaftler – aus Kamerun, dem Senegal und aus Indien – über Rassismus, Postkolonialismus, Ungleichheit und neue Chancen referieren. Dass es neben fünf Schweizer Produktionen über dreissig ausländische gibt, ist dagegen courant normal.

Neu ist, dass es dabei vermehrt ums Gesamtwerk der jeweiligen Künstler gehen soll: Von Hartz hat seine Gäste lieber für mehrere Tage und unterschiedliche Produktionen eingeladen, statt einen Haufen von Stippvisiten zu organisieren. Auch sollen die einen oder anderen in Publikumsgesprächen und im neuen «Stammtisch»-Format greifbar werden.

«Ein Festival für alle» lautet das Motto, das sich das Zürcher Theater Spektakel von Matthias von Hartz auf die Fahne geschrieben hat. Und der Kulturchef der Stadt Zürich, Peter Haerle, ist hocherfreut, weil dies exakt ins skizzierte Kultur- und Theaterleitbild passt: Von Hartz setzt auf die Stärkung der kulturellen Teilhabe – aller.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.07.2018, 20:41 Uhr

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