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«Heute wartet niemand mehr auf Godot»

Samuel Beckett war der Guru der Theater-Verstörung. Nun erscheinen seine frühen Briefe erstmals auf Deutsch. Literatur-Professor Thomas Hunkeler gibt Auskunft über den sehr eigenartigen Iren.

Herr Hunkeler, woher kommt Becketts obsessiver Hang zum Briefverkehr? Beckett war generell ein obsessiver Schreiber. Über Texte konnte er, der im sozialen Umgang sehr gehemmt war, Kontakt herstellen.

Nutzte er die Briefe auch für literarische Experimente? Das gab es erst in den 40er-Jahren, als er sich mit Georges Duthuit, dem Schwiegersohn von Matisse und Herausgeber der Zeitschrift «Transition», spielerisch auszutauschen begann. Bis zu seinem Durchbruch als Schriftsteller, der lange auf sich warten liess, ging es vor allem um das überlebenswichtige Knüpfen und Erhalten von Kontakten. Der intensive Briefverkehr war auch durch seine ständigen Umzüge bedingt: Er lebte in Irland, in England, in Frankreich, reiste kurz vor dem Krieg monatelang durch Deutschland.

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