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«Christaaa!»

Seit einem Jahr lädt Michael Elsener Videos auf Facebook hoch, etwa über Christa Rigozzi. Gelernt hat er von den Grössten, das Resultat ist grossartig

«Ist das gut, ist das schlecht?» Weder noch: Was Michael Elsener auf Facebook zu Christa Rigozzi gemacht hat, ist schlichtweg grossartig. Video: Facebook/Michael Elsener

Eines Abends auf Facebook war es plötzlich da: Ein Video, von dem zunächst nur zu sagen war, dass es grossartig ist! Erst beim zweiten Anklicken wurde klar, in welch smarten Schnitten und in was für einer klugen Dramaturgie da alles zerzaust und zur Kenntlichkeit entstellt wurde, was man bisher über Christa Rigozzi wusste. Etwa über die Bigotterie und die Widersprüche in Rigozzis diversen Engagements – zwischen einer Aufklärungskampagne für das Sparen und ihren Werbedeals mit einem Kleinkreditinstitut. Bis da irgendwann nur noch ein lang gezogenes «Christaaa!» bleibt.

«Christaaa!» Unfassbar gut: Michael Elsener über die Widersprüche und Bigotterie von Christa Rigozzi.
«Christaaa!» Unfassbar gut: Michael Elsener über die Widersprüche und Bigotterie von Christa Rigozzi.

Geschrieben und performt hat das Video Michael Elsener, den viele kennen von seinen Auftritten bei «Giacobbo/Müller» und seinen Tourneen als Solokünstler. Seit einem Jahr lädt Elsener in einer losen Serie Videos auf Facebook hoch, von denen die meisten weit über 50'000 Mal geklickt wurden.

Ein «aufwendiges Hobby» nennt Elsener selbst seine Clips. Denn was wir auf unseren Smartphones und Bildschirmen sehen, ist das Resultat einer grossen Arbeit. Wie gross der Aufwand genau ist und was ihn dies kostet, will der studierte Politikwissenschaftler, der auch in Schauspiel ausgebildet ist, nicht sagen.

«Kill Your Darlings!»

Gelernt hat Elsener sein Handwerk aber bei den Besten: Sechs Wochen konnte der gebürtige Zuger dank einem Künstlerstipendium in New York bei der «Daily Show» von Jon Stewart hospitieren; später folgten drei Tage bei John Olivers «Last Week Tonight». Als Elsener von New York in die Schweiz zurückkehrte, wollte er den Zugern etwas fürs Stipendium zurückgeben und so entwickelte er sein eigenes Late-Night-Format, das es bis heute gibt: die «Gute Nacht Show», in der sich die Gespräche mit Gästen wie Marco Rima oder Politikern wie dem CVP-Präsidenten Gerhard Pfister vor einem Live-Publikum, aber ganz ohne Druck einer elektronischen Öffentlichkeit entwickeln sollen.

Zugleich wollte Elsener aber auch herausfinden, wie man Formate produziert, für die John Oliver inzwischen weltberühmt ist: Wie man Witz und Wahrheit paart, wenn man ein Thema in Collagen und nach dem «Kill Your Darlings»-Prinzip auf wenige Minuten eindampft. Und wie man etwas vermittelt, ohne dass man den Zuschauern einen Knoten in den Knopf pflanzt. Elsener gelingt das selbst bei solch sperrigen Themen wie der wachsenden Apotheken-Dichte in der Schweiz oder bei seinem Kampf gegen das Mineralwasser, das letztlich nichts anderes als ein ökologischer Wahnsinn ist. Etwas lehren und vermitteln ohne Zwang zur Anstrengung: Das ist für Elsener der Anspruch und die Kunst jeder klugen Late-Night-Satire.

Kein Ersatz für Journalismus

Die These, wonach die Satire die bessere Politberichterstattung ist, kennt Elsener. «Aber ohne die Arbeit der Journalisten geht es nicht», sagt er, der selbst für einige Zeit im Journalismus gearbeitet hat. Elsener sieht seine Videos denn auch nicht als Ersatz, sondern als eine Ergänzung zur Medienberichterstattung: Er greift mit seinen Videos dort ein, wo er glaubt, dass ein Thema noch nicht konsequent zu Ende gedacht wurde. Wie etwa bei Christa Rigozzi.

Man selbst würde solche Clips gerne regelmässig im Schweizer Fernsehen sehen. Und wahrscheinlich gäbe es dafür auch einen Bedarf, nachdem Viktor Giacobbo und Mike Müller ihre eigene Late-Night-Show aus dem Programm genommen haben. Elsener würde sich selbstverständlich freuen, wenn er seine Videos dank dem Fernsehen perfekter und in dichterer Folge produzieren könnte. Und wenn sie nicht nur ein Hobby wären, das er selbst finanziert. Aber die Videos wären nur ein Element für eine Late-Night-Sendung, die man erst noch entwickeln müsste, sagt Elsener. «Und vielleicht plant ja das SRF bereits ein solches Format mit Christa Rigozzi?»

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