Hiroshima, meine Liebe

Die Schauspielerin Sachiko Hara lädt zu ihrem Salon im Zürcher Pfauen ein. Ein Reiskocher, der Japanisch spricht, ist auch dabei.

Sachiko Hara tanzt gegen die drohende Katastrophe an.

Sachiko Hara tanzt gegen die drohende Katastrophe an. Bild: Kathrin Ribbe

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Alles begann mit einer Kochshow. Sachiko Hara zeigte 2009 am Schauspiel Hannover, wie sie Okomiyaki, die japanische Pizza, macht. Das Format gefiel, und seitdem ist die Schauspielerin, die in Japan ihr Handwerk gelernt hat, unterwegs mit ihrem Hiroshima-Salon – überall dort, wo sie Engagements an Theatern hatte, in Berlin oder Hamburg, aber auch in Warschau, Tokio, Hiroshima. Mehr als dreissig Ausgaben hat es bisher gegeben, einige andere Elemente sind neben dem Kochen hinzugekommen, wie das Cosplay-Karaoke. Nun ist Sachiko Hara seit kurzem Ensemblemitglied am Schauspielhaus Zürich – und hat am Donnerstag zu ihrem ersten Salon im Pfauen eingeladen. Der Abend war gleich ausverkauft.

Gekocht hat sie diesmal nicht. Dafür steht ein Reiskocher, der Japanisch spricht, auf der Bühne in der Pfauen-Kammer. Sonst ist das Format das gleiche geblieben. Zuerst gibt es eine halbstündige Performance mit dem Titel «Hiroshima Monster Girl», dieser erste Teil ist das Kernstück des Abends. Dann folgt eine lockere Runde mit Gästen.

Eingeladen waren unter anderen der Komponist Helmut Lachenmann, dessen «Mädchen mit den Schwefelhölzern» im Augenblick Furore am Zürcher Ballett macht. Und die Musikerin Mayumi Miyata, die in diesem Stück mit ihrem Instrument am Schluss vom Bühnenhimmel schwebt. Miyata ist, wie Lachenmann sagt, die beste Sho-Spielerin der Welt. Sho ist eine Mundorgel. Es war ein faszinierender Kurzauftritt.

Die Toten wissen viel

Eingeladen zu Kurzvorträgen waren in diesem Salon drei Anti-Atomwaffen-Aktivisten, unter anderen Mia Gandenberger, die über die Kampagne in der Schweiz berichtete. Rodo Cortes zeigte Bilder aus Lucens, wo es im Versuchsatomkraftwerk 1969 zur Kernschmelze kam. «Hiroshima ist überall», sagt Sachiko Hara. Ihre Botschaft ist sehr klar: Nie wieder sollen Atombomben gezündet werden. Am besten schaffe man alle Atomwaffen ab.

In ihrer Performance ist sie das Kind, das nach der Katastrophe entstellt für das ganze Leben bleibt. Und das Hiroshima Monster Girl, von dem die Welt nichts mehr wissen will. Man sieht: Sachiko Hara ist eine sehr intensive Schauspielerin. Und merkt, wie ernst sie es mit ihrem Spiel meint. «Die Toten wissen viel, aber sie können nicht reden», sagt die Salon-Gastgeberin. Sie redet, tanzt, singt gegen die drohende Katastrophe an. Auch Fukushima ist überall.

Dann sagt der Reiskocher auf Japanisch, dass der Reis fertig sei. Eigentlich habe sie an diesem Abend selbst etwas kochen wollen, sagt Sachiko Hara. «Vielleicht aber das nächste Mal.»

Erstellt: 25.10.2019, 14:04 Uhr

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