Zum Hauptinhalt springen

Intelligenz trifft schlechten Geschmack

Monty Python ist zurück, wenigstens für ein paar Auftritte in London. Warum ist diese Truppe so komisch?

Sketche wie Gebete: Monty Python, aufgenommen 1969. (Hintere Reihe, v.l.: Graham Chapman, Eric Idle, Terry Gilliam. Vorne, v.l.: Terry Jones, John Cleese, Michael Palin.) Foto: AP, Keystone
Sketche wie Gebete: Monty Python, aufgenommen 1969. (Hintere Reihe, v.l.: Graham Chapman, Eric Idle, Terry Gilliam. Vorne, v.l.: Terry Jones, John Cleese, Michael Palin.) Foto: AP, Keystone

«Pythonesque», Adjektiv, laut Oxford Dictionary «dem absurden oder surrealistischen Humor oder Stil von Monty Python’s Flying Circus gleichend». Dass die Pythons mit ihren Humor Erfolg haben, muss nicht mehr debattiert ­werden. Ihre Sketche werden rezitiert wie Gebete, ihr Film «Life of Brian» provozierte alle Religionen aufs Mal, sie werden bis nach Japan geliebt, und der erste ihrer jüngsten Auftritte in London war in 43,5 Sekunden ausverkauft. Margaret Thatcher, nicht für ihren Humor bekannt, zitierte sie an einem Parteitag. Ein Asteroid ist nach ihnen benannt und eine Programmiersprache. Wer britischer Staatsbürger werden möchte, muss Fragen über sie beantworten.

Die wichtigste Frage bleibt, warum sie so lustig sind. Ihnen darf man sie nicht stellen. «Wenn jemand eine Dissertation über Monty Python schreiben wollte», hat Michael Palin gesagt, «ging bei uns eine Selbstschussanlage los.» Ein Erklärungsversuch also aus gebührender Distanz: Es geht darum, hohe Intelligenz mit schlechtem Geschmack zu kombinieren. Es geht darum, dabei niemals eine Miene zu verziehen. Es geht darum, unter allen Umständen sinnlos zu bleiben. Und es geht darum, keinerlei Kompromisse einzugehen. Es geht um den Wahnsinn als Methode.

Geschmacklos: Ein trauernder Sohn wird vom Bestatter gefragt, ob man seine Mutter essen dürfe und ob er auch ein Stück wolle. Ausgehungerte Matrosen in einem Rettungsboot streiten über das Recht, zuerst aufgegessen zu werden. Ein irischer Katholik sagt seinen Kindern, er habe seine Stelle verloren und müsse sie für medizinische Experimente verkaufen.

Reglos: John Cleese, mit seinen fast zwei Metern Länge bei den Pythons für das Autoritäre und Psychotische zuständig, spielte seine Figuren am liebsten mit Anzug, Hut und Krawatte. Auch in jenem Sketch, mit dem er am meisten assoziiert wird und den er am meisten hasst: Dem «Ministry of Silly Walks», dem Ministerium für Albernes Gehen. Cleese stakst durch London. hüpft und galoppiert, verknotet seine Beine. Er tut das mit der steinernen Miene eines Politikers, der niemals die Fassung verliert. Wer diese Szene sieht und dabei nicht lachen muss, ist wahrscheinlich tot, auch wenn er es nicht weiss.

Sinnlos: Eine Kuhherde in den bajuwarischen Alpen führt Shakespeares «Kaufmann von Venedig» auf. Ein englischer Publizist gibt ein ungarisch-englisches Wörterbuch heraus, in dem der Satz «Ich möchte Zigaretten kaufen» mit «Mein Hovercraft ist voller Aale» übersetzt wird. Ein Fussballspiel zwischen deutschen und griechischen Philosophen endet mit einem Streit, bei dem Hegel mit dem Schiedsrichter über Ethik argumentiert, Kant den kategorischen Imperativ reklamiert und Marx ein Offside gesehen hat.

Kompromisslos: Alfred Biolek, der deutsche Fernsehunterhalter, lud die Komiker 1972 mit der Bitte ein, für ihn doch ein paar Sketche zu drehen, den Deutschen fehlte dafür der Humor. Nachdem die Engländer in München gelandet waren, besuchten sie das Konzentrationslager Dachau. Als sie am Eingang standen, machte die Erinnerungsstätte gerade zu. Graham Chapman rief: «Sagt ihnen, dass wir Juden sind.»

Der Superlativ von «Pythonesque» ist «Most Pythonesque».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch