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Je suis Charlie, also bin ich

Das Attentat auf «Charlie Hebdo» platzt in ein Europa, das sich nach aussen abschottet und gegen innen zusammenschliesst. Es ist darum von grosser politischer Symbolkraft.

Solidaritätscartoon von Karikaturist Plantu für «Charlie Hebdo» auf der Place de la Republique in Paris. Foto: Gonzalo Fuentes (Reuters)
Solidaritätscartoon von Karikaturist Plantu für «Charlie Hebdo» auf der Place de la Republique in Paris. Foto: Gonzalo Fuentes (Reuters)

Nach den Anschlägen in Paris habe ich mir das Bekennervideo des Geiselnehmers Amedy Coulibaly angesehen. Was daran überraschend und erschreckend ist, das ist die an Weisheit erinnernde Ruhe des Attentäters. Auch er war ein typisches Mitglied dieser Clubs junger Männer, zu denen sich radikalisierte muslimische Jugendliche in Westeuropa zusammenschliessen. Auch in anderen Jugendkulturen dienen solche Clubs dazu, die eigene, scheiternde Biografie mit dem übersteigerten Selbstbild zu versöhnen. Bei solchen jungen Männern gibt es Bedarf nach einem machohaften, gewalttätigen Heroismus, und der wurzelt eben in ihrem Leben: in der Misere der Banlieues, in den schlechten Aussichten auf einen Job, in der Erniedrigung, kein erfolgreicher Fussballer oder Rapper geworden zu sein, sondern Pizzabote. Die Ideologie des radikalen Islams als solche ist austauschbar. Sie dient diesen Desperados als Alibi, ihre gewalttätigen Affekte ausleben und Überlegenheits- und Triumphgefühle entwickeln zu können.

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