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«Nach dieser Neuevaluation der Lage kann es nicht um die Kunst gehen»

Benjamin von Blomberg, Ko-Intendant des Schauspielhauses, erläutert, wieso das Haus komplett geschlossen wird.

Die beiden Schauspielhaus-Intendanten Nicolas Stemann (links) und Benjamin von Blomberg stellen den Vorstellungsbetrieb bis mindestens 30. April ein. Foto: Keystone
Die beiden Schauspielhaus-Intendanten Nicolas Stemann (links) und Benjamin von Blomberg stellen den Vorstellungsbetrieb bis mindestens 30. April ein. Foto: Keystone

Alle Türen gehen zu. In den Schulen, in den Kultureinrichtungen, überall, wo mehr als 100 Leute zusammenkommen würden. Mit Ausnahmen. März bis Juni ist für Theater eine entscheidende Phase, wie auch der Verwaltungsratspräsident der Schauspielhauses Zürich, Markus Bachofen, im Gespräch betont. Trotzdem ist man jetzt gemeinsam, und auch im Austausch mit anderen Kulturinstitutionen, zum Entschluss gekommen, dass der Moment für die Corona-Zwangspause da ist. Ko-Intendant Benjamin von Blomberg fand nach der internen Sitzung Zeit für ein Gespräch.

Benjamin von Blomberg: Es ist dramatisch und unglaublich, und wir spüren alle: Jetzt, nach dieser Neuevaluation der Situation kann es gerade gar nicht um die Kunst gehen. Vermeintlich ist ja ein Tor offen geblieben mit 100 Leuten. Man könnte also ins Parkett des Pfauen 82 Leute mit je 2 Meter Abstand setzen. Als Theatermann sehe ich da schöne Bilder vor mir. Aber wir haben uns lange ausgetauscht, auch mit dem Verwaltungsrat, und finden: Alle sind jetzt drastisch betroffen, es ist Zeit für eine klare Ansage von uns. Bis mindestens 30. April gibt es keine Vorstellungen bei uns.

Und wie sieht es mit Alternativen im Netz aus? In der Schweiz gibt es eine erste Streamingplattform namens www.spectyou.com.

Ob und wie wir das managen – denkbar wäre das Ausstrahlen von Mitschnitten alter Vorstellungen oder die Übertragung von Vorstellungen vor leeren Rängen – wird ab nächster Woche in einer zweiten Phase genau angeschaut. Auch, ob und in welcher Form der Probenbetrieb weitergeht, weitergehen kann, ohne die Mitarbeiter zu gefährden. Ohne Berührungen ist Theater nicht möglich – sei es auf der Bühne oder beispielsweise in der Maske. Schon jetzt haben wir jedes Krankheitszeichen ernst genommen. Aber zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir noch nicht vollumfänglich, was der Entscheid und der Appell des Bundesrats für den Betrieb und jede Abteilung bedeutet. Fest steht, wir wollen die Gesellschaft in diesem drastischen Augenblick nicht allein lassen.

Steht Kurzarbeit im Raum?

Das ist eins der möglichen Szenarien. Jedenfalls möchte ich in diesem Zusammenhang betonen: Wir sind ja durch die Subventionen enorm privilegiert. Aber wir sind extrem dankbar und froh, dass der Bund ein Millardenpaket geschnürt hat: Gerade für freischaffende Künstler, die auf Gastauftritte angewiesen sind, ist das existenziell.

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