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Pippi streikt für ein lustigeres Leben

Sie macht sich die Welt, wie es ihr gefällt: kunterbunt. Mit Pippi Langstrumpf der Zürcher Märchenbühne beginnt die Saison der Vorweihnachtsproduktionen für Kinder.

Pippi, das Mädchen mit den Superkräften: Ramona Fattini.
Pippi, das Mädchen mit den Superkräften: Ramona Fattini.
pd

«Äxgüsi, Frölein» – in diesem Ton soll man Pippi bitte nicht kommen. Denn erstens heisst sie: Pippilotta Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf. Zweitens fehlt ihr jedes Benehmen. Wer sich Pippi entgegenstellt, den stemmt sie in die Luft, wie den Ringer Adolf – starke Männer werden bei ihr zu Ballons. Aber auch Frauen macht Pippi fertig, dass es ihnen trümmlig wird. Alles lächerliche Erwachsene. Nur den Kindern schenkt Pippi ihr Lachen.

Sie tut es jetzt im Hechtplatz-Theater. Dort tritt Pippi Langstrumpf auf, wie es Astrid Lindgrens berühmteste Figur für das Zürcher Märchentheater schon ein paar Mal getan hat. Auch in der aktuellen Produktion, die am Mittwoch Premiere hatte, malt sich das Mädchen mit den Superkräften die Welt aus, wie es ihm gefällt. Langeweile darf es da nicht geben. Das färbt auf die Umgebung ab. Kunterbunt ist die Villa auf der Bühne, die das Mädchen bewohnt, zusammen mit Pferd und Äffchen. «Das ist schön», sagt Pippi. Auch wenn nicht alles gut ist.

Die Eltern, das weiss man, sind nicht vor Ort. Die Mutter im Himmel, der Vater: ein Pirat, gerade in der Südsee untergetaucht. Wir sehen ein sich alleinerziehendes Mädchen, wie aus dem Buch. Und so geht Pippi durch die Geschichte. Diesem Mädchen stellt sich niemand in den Weg. Nicht die Polizisten, die es ins Waisenhaus bringen wollen. Nicht die Banditen, die auf sein Geld aus sind. Nicht die Lehrerin, die ihm das Rechnen beibringen will. Pippi singt ihr eigenes Lied: Zweimal drei macht vier.

Pippi ist nicht Greta

Die Rechnung geht in der Inszenierung von Erich Vock auf, der zusammen mit Hubert Spiess die Märchenbühne nun seit 25 Jahren leitet. Er lässt das Ungrade bei Pippi, die eigentlich ein Punk vor der Zeit ist, grad sein. Also: Kein Versuch der Aktualisierung. Keine Verweise auf die Welt heute. Vocks Dialektfassung kommt ohne Upgrade-Faktor aus. Umso herzlicher erscheint sie.

Manchmal spuckt sie auch gegen die Decke. Oder steckt ihre Nase in die Torte. Da lachen die Kinder im Publikum.

Denn: Pippi ist nicht Greta. Auch wenn sie die Schule bestreikt für ein besseres Leben. An dieser Figur muss nichts geändert werden. Mit aufgemalten Sommersprossen, roten Haaren, abstehenden Zöpfen und Ringelsocken steht Ramona Fattini auf der Bühne. In der letzten Märchenbühne-Produktion war sie noch die Prinzessin im «Froschkönig».

Jetzt hat sie sich emanzipiert und darf als Pippi alles tun, was sie will: singen, tanzen, lustig sein. Manchmal spuckt sie auch gegen die Decke. Oder steckt ihre Nase in die Torte. Da lachen die Kinder im Publikum. Aber sie lachen auch nicht so sehr, dass man glauben könnte, sie würden solche Sachen dann nach der Vorstellung machen wollen. Das gefällt den Eltern.

Extra-Version für Erwachsene

Vor allem aber ist Pippi eine wunderbare Freundin. Sie begleitet in der Geschichte Kinder wie Annika und Thommy auf ihrem Weg – und gibt ihnen das Lachen zurück, das sie in der Schule oder auch zu Hause verloren haben. Am Schluss stehen aber alle glücklich auf der Bühne, auch die Menschen, die Pippi fertiggemacht hat.

Für die Erwachsenen gibts dann später von dieser Pippi eine Extra-Version. Mit Skolstrejk.

Theater am Hechtplatz, bis 5. April. Nightmärchen Pippi Langstrumpf für Erwachsene, 19. Nov. bis 17. Dez.

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