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Sanfte Sprachmusik, kantige Bildsplitter

Melinda Nadj Abonjis erstes Drama, «Schildkrötensoldat», wurde in Basel mit kluger Schärfe uraufgeführt.

Johanna Kapsch als androgyner Puck. Foto: Simon Hallström
Johanna Kapsch als androgyner Puck. Foto: Simon Hallström

In der Vojvodina, der Heimat von Melinda Nadj Abonji, ist der Mann nur ein Mann, wenn er schwere Mehlsäcke tragen und einen kräftigen Schluck Schnaps vertragen kann. Zoltán Kertész, der sensible Wörter- und Blumennarr, ist, spätestens seit er bei einem Motorradunfall auf den Kopf fiel, kein richtiger Mann, und das lässt man ihn spüren. Eltern, Lehrherr, Pfarrer, Kameraden: Alle beschimpfen den Stotterer und Zitterer als Zigeunerschwuchtel, Blödmann und Weichei. Für den Vater ist sein Erstgeborener eine einzige Enttäuschung; die Mutter überhört seine verzweifelten Hilferufe, der Bäckermeister degradiert den «Schöpflöffelidioten» zum Hilfsarbeiter. Als Zoli beim Militär das Zittern ausgetrieben werden soll, kommts zur Katastrophe: Nachdem sein Freund den Strapazen eines Gewaltmarschs erlegen ist, regnet sich in Zoli ein «Wolkenbruch im Kopf» ab. Diagnose: Epilepsie.

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