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Startänzer gesteht Säureangriff auf Ballettchef

Ein Solist des Bolschoi-Theaters hat nach Polizeiangaben gestanden, den Anschlag auf Ballettchef Sergej Filin in Auftrag gegeben zu haben. Es gehe vor allem um die Rollenverteilung und die Benachteiligung einer Tänzerin.

Wegen «vorbildlichem Verhalten» aus dem Arbeitslager entlassen: Pawel Dmitritschenko vor einer Gerichtsverhandlung im Dezember 2013.
Wegen «vorbildlichem Verhalten» aus dem Arbeitslager entlassen: Pawel Dmitritschenko vor einer Gerichtsverhandlung im Dezember 2013.
Keystone
Bolschoi-Tänzer Pavel Dmitrischenko, bei einer Gerichtsverhandlung in Moskau, 14. Juni 2013.
Bolschoi-Tänzer Pavel Dmitrischenko, bei einer Gerichtsverhandlung in Moskau, 14. Juni 2013.
Keystone
Mit Tänzerinnen des Bolschoi-Theaters. (20. September 2011)
Mit Tänzerinnen des Bolschoi-Theaters. (20. September 2011)
Mikhail Metzel, Keystone
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Das Säure-Attentat auf den künstlerischen Leiter des Moskauer Bolschoi-Theaters wurde von einem Star des weltberühmten Balletts angezettelt: Der Tänzer Pawel Dmitritschenko habe den Anschlag gestanden, erklärte die Polizei in Moskau. Zusammen mit zwei Komplizen soll der 29-Jährige die Attacke gegen seinen Chef Sergej Filin geplant und ausgeführt haben. Über das Motiv wird noch spekuliert.

Dmitritschenko war noch vor kurzem in der Titelrolle des Balletts «Iwan der Schreckliche» zu sehen. Er tanzt seit 2002 am Bolschoi und hatte immer wieder grosse Rollen. Nun zeigte das russische Fernsehen Polizeieinvernahmen, auf denen er sagt: «Ich habe die Attacke organisiert, aber nicht in dem Ausmass, wie sie dann passiert ist.» Ob die Aussage unter Druck entstand, war zunächst nicht nachzuprüfen.

«Persönliche Feindseligkeit»

Polizeisprecherin Swetlana Kokotowa sagte der Nachrichtenagentur AP, die Polizei nehme an, dass Dmitritschenko «persönliche Feindseligkeit aufgrund seiner professionellen Tätigkeit» gegen Filin gehegt habe. Kollegen von Filin hatten zuvor erklärt, die Attacke könnte mit Filins Auswahl von Tänzern für besonders begehrte Rollen zu tun haben.

Unter anderem habe Filin laut russischen Medien Dmitritschenkos Lebensgefährtin Angelina Woronzowa eine Rolle in einer «Schwanensee»-Aufführung verwehrt – laut Rivalen, weil Filin eine offene Rechnung mit Woronzowa habe.

In den vergangenen Wochen waren ausserdem immer neue Geschichten über rabiate Konkurrenzkämpfe unter Tänzerinnen und Tänzern um die begehrtesten Rollen bekannt geworden, wobei es nicht nur um Ruhm, sondern auch um Geld in Form von Sonderhonoraren geht. Filin hatte grossen Einfluss bei diesen Entscheidungen.

Rückkehr im Sommer möglich

Filin hatte bei dem Anschlag am 17. Januar schwere Verbrennungen im Gesicht und an den Augen erlitten. Er wurde bei der Heimkehr von der Arbeit überfallen. Derzeit wird er in Deutschland behandelt. Bolschoi-Sprecherin Katerina Nowikowa äusserte die Hoffnung, dass er spätestens im Sommer wieder arbeiten kann.

Die Polizei hatte die Festnahme der drei Verdächtigen am Dienstag gemeldet. Dmitritschenko soll den Anschlag geplant haben, ein zweiter Mann soll dem Ballettchef die Schwefelsäure ins Gesicht gekippt haben, der dritte soll den Täter zum Tatort gefahren haben.

AP/mw

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