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«Wenn man richtig hinhört, erfährt man schon, was ich sagen will»

Der mit gesellschaftskritischen Werken bekannt gewordene Liedermacher Franz Josef Degenhardt starb am Montag im Alter von 79 Jahren in Quickborn, wie seine Familie mitteilte.

Singender Anwalt, schreibender Barde, dienstältester Liedermacher Deutschlands: Der verstorbene Franz Josef Degenhardt.
Singender Anwalt, schreibender Barde, dienstältester Liedermacher Deutschlands: Der verstorbene Franz Josef Degenhardt.
Keystone

Der am 3. Dezember 1931 in Schwelm in Westfalen geborene Protestsänger war für seine Scharfzüngigkeit und Wortgewalt bekannt und genoss gerade in linken Kreisen Kultstatus.

Seinen Ruf erlangte der gelernte Rechtsanwalt vor allem mit Liedern und Balladen, in denen er die gesellschaftlichen Zustände der Bundesrepublik kritisierte und auf Veränderung drängte. Seine erste Platte erschien 1963. Sein erster grosser und bis heute grösster Erfolg war 1965 das Lied «Spiel nicht mit den Schmuddelkindern».

Nach dem Studium beschäftigte Degenhardt sich seit 1968 verstärkt mit Prozessen gegen Mitglieder der Ausserparlamentarischen Opposition und verteidigte überwiegend Sozialdemokraten und Kommunisten. Sein SPD-Parteibuch musste er 1971 abgeben, nachdem er sich für die DKP stark gemacht hatte, der er 1978 beitrat.

«Kein Singen ausserhalb historischer Horizonte»

Degenhardt legte rund 30 Alben und mehrere Textbücher vor und verfasste sieben Romane, etwa die 1975 erschienenen «Brandstellen.» Die Liste seiner Spitznamen ist lang: Singender Anwalt, schreibender Barde, dienstältester Liedermacher Deutschlands, poetisches Megafon der Linken und Väterchen Franz wurde er genannt.

Noch bis 2004 füllte Degenhardt die Konzertsäle mit meist älteren Fans. Unterstützt wurde er von seinem Sohn Kai an der Gitarre. Politik gehöre für ihn in die Kunst, hatte der Liedermacher in einem seiner seltenen Interviews gesagt.

«Es ist ja kein Singen, kein Lesen, kein Malen ausserhalb historischer Horizonte möglich. Es ist immer öffentlich, gesellschaftsbezogen und damit auch politisch.» Er sei immer ein Gegner von Erklärungen gewesen. «Ich muss nicht erzählen, was der Dichter eigentlich gemeint hat. Wenn man richtig hinhört, erfährt man schon, was ich sagen will.»

SDA/net

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