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«Wir wollen Libido, wir wollen Revolution»

Das Stadttheater auflösen und das Geld der freien Szene geben – das fordert Samuel Schwarz, Mitgründer und Regisseur der Zürcher Gruppe 400asa.

Alexandra Kedves
«Ja, auf die Mittel der Stadttheater sind wir neidisch»: Regisseur Samuel Schwarz von 400asa bei den Proben zum Stück «La cérémonie» am Theater Spektakel in Zürich.
«Ja, auf die Mittel der Stadttheater sind wir neidisch»: Regisseur Samuel Schwarz von 400asa bei den Proben zum Stück «La cérémonie» am Theater Spektakel in Zürich.
Doris Fanconi

Herr Schwarz, die Theaterlandschaft ist im Umbruch. Die Stadttheater sind unter Druck, das Geld wird knapp. Wie positionieren sich die Freien und damit auch Ihre Gruppe 400asa?

Krise als Chance, sage ich jetzt mal ganz plakativ. Wir werden ja – wie andere Gruppen – an Stadttheater eingeladen, um dort zu produzieren. 400asa zum Beispiel war schon in Bern, Konstanz, Hamburg. Das ist schön, weil es dort jeweils eine tolle Infrastruktur gibt. Aber es hat auch seine Schattenseiten: Am Stadttheater gibt man die Rechte an seinem Werk völlig ab; man kann dann nicht mehr einfach umgestalten, neue Fassungen des Abends entwickeln. Stadttheater können mit der kreativen, effizienten Energie einer freien Gruppe nicht gut umgehen, das liegt in ihrer Struktur; und deshalb haperts auch mit ihrer Kunst. Wenn die derzeitige Krise das Stadttheater zum Umdenken zwingt, ist das für alle ein Gewinn – zuerst fürs Stadttheater selbst und für sein Publikum, aber auch für die Freien, die von den fetteren Subventionen mehr abkriegen würden. Man kann sagen, dass wir auf die finanziellen Mittel und Ressourcen der Stadttheater neidisch sind, nicht aber auf deren Organisationsformen. Bespielen werden wir diese Häuser weiterhin, gerade weil wir Alternativen aufzeigen, wie es auch ginge.

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