Wodka-Tampons und gestriegelte Huskys

Harald Schmidt und Hazel Brugger trafen in Zürich erstmals aufeinander. Das war fantastisch.

«Mach so weiter wie bisher, aber verlang das Dreifache an Kohle.» Harald Schmidt gibt Hazel Brugger Tipps für ihre Karriere.

«Mach so weiter wie bisher, aber verlang das Dreifache an Kohle.» Harald Schmidt gibt Hazel Brugger Tipps für ihre Karriere.

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Irgendwann sagte Hazel Brugger: «Es ist so genial, dass da unten ein Publikum sitzt. Ohne Zuschauer wäre das hier oben einfach nur geisteskrank.» Und genial – und gar nicht geisteskrank – war es tatsächlich, was uns an diesem Donnerstagabend in Zürich geboten wurde. Und zugleich die Erfüllung eines Traums: Vor gut einem Jahr, es war Juli, sass man mit Hazel Brugger vor dem Kaufleuten, interviewte sie zu ihrer ersten eigenen Late-Night-Show, die sie mit Thomas Spitzer produziert hat, sprach über dies und das. «Den würde ich gerne mal kennen lernen», meint Brugger damals.

Gemeint mit «dem» war Harald Schmidt, den Brugger aus unerfindlichen Gründen noch nie persönlich getroffen hatte. Obwohl beide in Köln leben. Obwohl beide in der gleichen Liga spielen. Letzteres mag nicht ganz stimmen, weil Harald Schmidt – trotz Jan Böhmermann und «heute-show» – im deutschsprachigen Raum noch immer den Goldstandard in Sachen Late-Night markiert: Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war er jeden Werktag mit seiner Show bei Sat 1 auf Sendung. Hazel Brugger produziert ihre Late-Night weiterhin exklusiv fürs Internet. Gerade lädt sie im Wochentakt sechs neue Folgen auf Facebook hoch.

Aber an diesem Donnerstag, an dem die beiden im Kaufleuten in Zürich erstmals zusammen auftraten, waren die beiden fraglos in der gleichen Liga: Man redete über alles, über Schmidts Hypochondrie und Hazel Bruggers Karrieremöglichkeiten («Mach so weiter wie bisher, aber verlang das Dreifache an Kohle», war Schmidts Rat in diesem Zusammenhang), sprach über Gott. «Bist du Agnostikerin oder Atheistin?», fragte Schmidt. «Agnostikerin, aber ich bin gerade auf der Kippe» – «Was heisst das am Welt-Nichtrauchertag?».

Schmidt, der in seiner eigenen TV-Show stets mit seinem Desinteresse für die eingeladenen Gäste kokettierte, war erstaunlich gut auf Hazel Brugger vorbereitet: «Ich hab ein Youtube-Video mit deinem Vater gesehen», ein Neuropsychologe, der im Video ein «Superexperiment mit Ratten» erkläre. «Kennen Sie das Experiment?», fragte Schmidt in den Zuschauerraum hinein. «Entschuldigung, dass ich von den Ratten auf das Publikum zu sprechen komme.»

«Rrruhä, oder ich zieh meine Konten aus der Schweiz ab!»

Gewiss, Harald Schmidt verfügt über ein riesiges Repertoire an erprobten Gags und Parodien, mit denen er jeden Einwurf und jede Vorlage in eine Pointe verwandeln kann. «Rrruhä, oder ich zieh meine Konten aus der Schweiz ab!», schnarrte Schmidt mal im Hitler-Ton ins Publikum. Aber Hazel Brugger versteht es ebenso gut, jede Vorlage zu verwandeln, etwa dann, als die Formulierung «den Husky striegeln» von ihr ins Spiel gebracht wurde. «Das war jetzt ein Euphemismus». Worauf sich Schmidt erkundigte, ob seine Generation den gestriegelten Husky als Bär kennt. Gelächter im Saal. «Du hörst, das ist das Lachen der Frauen meiner Generation.» – «Ja, das ist die Frauengeneration #MeTooPlease», entgegnete Hazel Brugger.

Harald Schmidt seinerseits zeigte sich überzeugt, dass Plastikmaschinengewehre für Kinder, sogenannte Nerf-Guns, mit Tampons gefüttert werden, da die Originalmunition so teuer und zudem schnell auf den Dächern der Nachbarhäuser verschossen sei, worauf Brugger auf Wodka-getränkte Tampons zu sprechen kam, die sofort betrunken machen, wenn man sie in den Körper einführt, eine Steilvorlage für Schmidt. «Jetzt sage ich so einen Johannes-B.-Kerner-Satz: ‹Ich entschuldige mich für die Frage, aber die Nation spricht darüber, hast du das schon mal selbst ausprobiert?›» Nein, nein, meinte Hazel Brugger, sie selbst nicht, aber eine Freundin: «Sie hatte sich gebückt und da stand der Sohn mit seiner Nerf-Gun.»

«So wird die Story glaubhaft», meinte Schmidt. Und so ging das einen Abend lang, er war schlichtweg fantastisch. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.06.2018, 16:13 Uhr

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