Zurück zum Körperkontakt

Mit «Dublin Nights» gastiert eine wilde Show in der Maag-Halle, die irischen Pop mit irischem Tanz verbindet.

Alles andere als steif: «Dublin Nights» in der Zürcher Maag- Halle. Foto: PD

Alles andere als steif: «Dublin Nights» in der Zürcher Maag- Halle. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am liebsten hätte man ja sämtliche Zuschauerinnen und Zuschauer in ein Flugzeug nach Irland verfrachtet. Weil aber nicht alle in ein Pub gepasst hätten, habe man nun ein Stück Irland in die Maag-Halle gebracht, sagt Toby Francis. Der 31-jährige irische Musical-Star führt als spitzbübischer Erzähler und Sänger durch «Dublin Nights», die Tanzshow, die am Mittwoch in Zürich Premiere feierte. Darin entführt eine 12-köpfige Tanzgruppe rund um Peta Anderson und John Fitzgerald das Publikum imaginär in die Grafton Street, Dublins Hauptstrasse und Ausgehmeile, um hier eine Nacht lang der irischen Kultur zu frönen.

Bei irischem Tanz denkt man zuerst an den traditionellen Stepptanz, bei dem die Beine schnelle Bewegungen ausführen, Oberkörper und Arme aber starr am Körper gehalten werden. International bekannt wurde diese Art des Tanzens vor allem durch die Tanzkompanie Riverdance, welche 1994 während des Eurovision Song Contests als Pausenfüller auftrat, um nachfolgend mit ihrer Show grosse Hallen in Europa und Übersee zu füllen. Woher diese etwas steif wirkende Art des Tanzens stammt, ist nicht gänzlich geklärt. Ein Ansatz lautet, dass der irische Klerus unzüchtigen Körperkontakt der Jugend vermeiden wollte und deswegen den Tanz im 19. Jahrhundert streng reglementierte.

Wild, rasant und abwechslungsreich

Besagtem Klerus dürfte bei einem Besuch der «Dublin Nights»-Show ganz schwindlig werden. Die Tanzkompanie zeigt zwar auch traditionelle und beeindruckend schnelle Stepptanznummern, bricht dabei aber immer wieder aus starren Abläufen und Choreografien aus und kreuzt Althergebrachtes mit Elementen aus modernem, expressivem Tanz oder feurigem Tango.

Wild, rasant und abwechslungsreich ist sie, diese irische Nacht, wobei reine Gesangsnummern mit Tanzepisoden alternieren. Da wird gefeiert, geflirtet, bei Tanzwettbewerben um Aufmerksamkeit gebuhlt und so viel Whisky getrunken, bis in den frühen Morgenstunden nicht mehr alle ganz standfest sind und die Emotionen hochkochen. Bei der Umsetzung der Tanznummern wird mit viel Witz und Schalk agiert, wobei die Dramaturgie der ganzen Show dem Publikum geschickt ein Wechselbad der Gefühle beschert.

So widmet sich etwa Sinéad O’ Connors himmeltraurige Liebeskummer-Ballade «Nothing Compares to You» dem Herzschmerz, derweilen Songs von Bob Geldof oder Van Morrison für Schmiss sorgen. Zwischenzeitlich gibts auch sozialpolitische Statements, etwa wenn Toby Francis zur Gewaltshymne «Take Me to Church» von Hozier ansetzt, die sich explizit gegen kirchliche Homophobie ausspricht, oder wenn die Tänzer in Armeehemden zu «Zombie» von The Cranberries im Gleichschritt marschieren und steppen.

Hohes Niveau

Es versteht sich von selber, dass im Soundtrack zu dieser Dublin Night ausschliesslich Liedmaterial irischer Künstler und Künstlerinnen zum Zuge kommt. Zuständig für die Liveumsetzung ist eine fünfköpfige Band rund um den musikalischen Leiter Andy Horwath. Diese agiert auf hohem Niveau, changiert geschickt zwischen traditionellem Folk, epischen Balladen und eingängigem Pop und entlässt das Publikum zum Schluss mit einem rockigen U2-Medley aus dem irischen Pub – beziehungsweise der Maag-Halle in die Zürcher Nacht.

Dublin Nights, Maag-Halle, bis 6. Oktober 2019

Erstellt: 26.09.2019, 13:17 Uhr

Artikel zum Thema

«Aggression und Beschimpfungen gehören dazu»

Interview Der französische Tänzer und Choreograf Boris Charmatz spricht über sein Projekt «Terrain» am Theater Spektakel – wo die Zuschauer auf dem Gelände miteinbezogen werden. Mehr...

Hier kann Zürich tanzen

Das Tanzhaus wurde bei einem Brand vollständig zerstört. Jetzt wird das neue Kulturzentrum eröffnet. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Mamablog Rassismus im Kindergarten

Sweet Home Designwohnung statt Hotel?

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...