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Wahnsinn, diese Schönheit!

Eine nackte, tätowierte Frau lädt uns ein zu den Festspielen Zürich – sie beginnen morgen. Was kommt da auf uns zu?

Das Thema der Festspiele Zürich in Fleisch und Blut. Bild: Festspiele Zürich/ Atelier Ubezio
Das Thema der Festspiele Zürich in Fleisch und Blut. Bild: Festspiele Zürich/ Atelier Ubezio

Die Venus von Botticelli hat jetzt Tattoos, viele Tattoos, den Festspielen Zürich sei Dank. Schmetterlinge, Blumen und gruslige Figuren zieren die in kunsthistorisch korrekter Nacktheit präsentierte Schöne, mit der man das Programm verkaufen will, und auf dem linken Bein ist etwas geschrieben, das sich aber leider selbst dann nicht entziffern lässt, wenn man die Nase ans Festspielplakat drückt. Aber wir können ja spekulieren: «Wir sind im Fall nicht von gestern, auch wenn wir uns gut auskennen in der Kunstgeschichte», könnte da zum Beispiel stehen. Oder: «Wir überlegen uns wirklich sehr genau, wie wir unsere Festspiele verkaufen wollen.»

Sechs Monate lang, so liest man im Programmbuch, hat die neue Festspielleitung tatsächlich nur nachgedacht, vor allem über das Thema: «Schönheit/Wahnsinn» lautet es, und da gab es natürlich schon sehr viel zu studieren über die «merkwürdige, aber sinnliche Polarität» der Schlagworte und die Frage, wie «der Begriff des Wahnsinns unser Empow­erment-Denken produktiv infrage stellen» kann.

Nicht auszudenken, was herausgekommen wäre, wenn man sieben oder gar acht Monate nachgedacht hätte. Dann wäre womöglich die Idee aufgetaucht, das Thema umzuformulieren zu «Beauty/Borderline»; das hätte sogar noch heutiger getönt, und der Stabreim hätte auf Richard Wagner verwiesen, dessen Werken ein freches Reenacting ja auch mal guttäte. Oder vielleicht hätte man auch bereits die Polaritäten für kommende Festspiele gefunden: «Innovation/Beliebigkeit»! «Freiheit/Magerquark»!

Aber zurück zu den Fakten: Es gibt bei den diesjährigen Festspielen, die neu als Biennale stattfinden, 142 Veranstaltungen von 31 Institutionen. Sie sind vorne im Programmbuch aufgelistet. Die Einträge lauten «Future Clinic for Critical Care» oder «Open-Air-Konzert» oder «schön, schön, schön!», und wer damit nichts anfangen kann, soll halt blättern, irgendwo findet sich dann schon ein Hinweis, wer jetzt wo genau was tut. Informative Übersichten, das ist ja so was von Botticelli.

Also blättern wir. Finden Spannendes, weniger Spannendes und drei weitere Kunst-Reenactments. Besonders hübsch ist die dunkelhäutige, verschmitzte Nana nach Niki de Saint Phalle. Wer weiss: Hätte die Niki dem Original kein Badekleid angezogen, sie hätte es vielleicht sogar aufs Festspielplakat geschafft.

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