Was ist mit dem Klima los?

Und wie nennt man das? Klimawandel, Klimakatastrophe? Trifft es nicht genau. Es gibt einen besseren Begriff.

Wenn das Klima sich wandeln kann, dann kann das auch unser Sprachgebrauch. (Video: Anthony Ackermann, Sacha Schwarz)

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Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. Die Erkenntnis, dass es fünf vor zwölf ist im Kampf gegen die Erderwärmung, ist bis zu den meisten vorgedrungen. Ausnahmen, also Ignoranten des Offensichtlichen, gibt es immer. Was man konkret tun muss und kann, auf individueller Ebene und in der Politik, ist umstritten. Es ist auch nicht ganz einfach. In der Sprachsprechstunde widmen wir uns heute einer einfacheren Frage: Wie nennt man das, was mit dem Klima gerade passiert?

«Klimawandel» sagen viele. Ein neutraler, ein wertfreier Ausdruck. Wandel kann ja auch was Gutes sein. Hier nicht. Am anderen Pol des Vokabulars steht «Klimakatastrophe». Einerseits zutreffend, weil, wenn es so weitergeht, die Folgen katastrophal sein werden. Aber eine Katastrophe ist ein einzelnes, dramatisches Ereignis, die Folgen der Erderwärmung treten aber schleichend ein. Das ist ja gerade das Unheimliche. Also passt auch Katastrophe nicht recht.

Die englische Bewegung Extinction Rebellion spricht von «climate emergency», was man mit «Klimanotstand» übersetzen kann. Tatsächlich ist dieser Begriff über England hinaus in etlichen Vorstössen von Parlamenten oder Verwaltungen verwendet worden.

Wer den Klimanotstand erklärt, gibt Massnahmen gegen die Erderwärmung höchste Priorität. In der Schweiz haben das etwa der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt, die Kantone Waadt und Jura getan, im Ausland etwa die französische Nationalversammlung. Ja, sogar das britische Unterhaus, meist total zerstritten, war mehrheitlich der Meinung, es herrsche «climate emergency», Klimanotstand.

Wenn Sie der Begriff ebenfalls überzeugt, gebrauchen und verbreiten Sie ihn. Und denken Sie daran: Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie.

Erstellt: 21.09.2019, 07:27 Uhr

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