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Was sind Federer-Fragen?

Von Federer, an Federer, um Federer? Martin Ebel über die grassierende Bindestrich-Manie, die vieles vernebelt.

Schreibt man gross oder klein nach dem Bindestrich? Martin Ebel hat ein anderes Problem. (Video: Anthony Ackermann, Sacha Schwarz)

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Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. Neulich beklagte sich ein Freund der Sprachsprechstunde, ein pensionierter Lehrer, über die, wie er sich ausdrückte, Manie, Präpositionen durch Bindestriche zu ersetzen. Besonders in Überschriften stösst er sich an Formulierungen wie Schweiz-Sitz, Kim-Kult, Brexit-Aufschub oder Federer-Fragen.

Klar, das klingt flott und ist meist Ergebnis des Zwangs zur Kürze, der in Zeitungsüberschriften besonders herrscht. Insofern bitte ich um Nachsicht für die Kollegen. Im Prinzip hat der Kritiker aber recht. Der Bindestrich verschleiert die Beziehung, die zwischen den beiden Wörtern herrscht, die er verbindet.

Federer-Fragen: Sind das Fragen, die man Federer stellt, oder Fragen, die Federer gestellt hat, oder, wie hier tatsächlich der Fall, Fragen, die sich um den ganzen Federer-Komplex drehen, also, wie lange spielt er noch und wie soll es weitergehen, wenn er einmal nicht mehr spielt?

Und was ist, anderes Beispiel, eine Implenia-Überbauung? Wird da die Implenia überbaut oder überbaut nicht vielmehr die Implenia ein bestimmtes Areal mit Wohnungen? Auch bei der Formulierung UPC-Kauf ist nicht klar, ob die Firma aktiv handelt oder passiv behandelt wird, ob sie also kauft oder gekauft wird.

Also: Um Missverständnisse zu vermeiden, wählen Sie lieber Formulierungen mit Präposition oder Artikel. Fragen an Federer, Sitz in der Schweiz, Kult um Kim, Aufschub des Brexit. Das ist kaum länger, und man weiss genau, was gemeint ist. Denken Sie daran: Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie.

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