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World, shut your mouth

Ob Musik, Werbung oder Wissenschaft – Englisch dominiert die Welt. Das hat auch Nachteile.

MeinungJean-Martin Büttner
Englisch, die Sprache das Kapitalismus. Foto: Ennio Leanza (Keystone)
Englisch, die Sprache das Kapitalismus. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Food, sleep, airport, business, bar, love, damit kommt man um die Welt. Esperanto ist gescheitert, Englisch hat sich durchgesetzt: als Sprache des Kapitalismus. Ruanda hat Englisch zur offiziellen Sprache erklärt, so tat es der Südsudan. In China sprechen mehr Menschen Englisch als in jedem anderen Land. In Korea bekommt man ohne Englisch keine Stelle.

Soll man das gut finden? Bollywood wird kulturell nicht bedroht, dazu ist Indien zu gross. Frankreich achtet auf seine Kultur, Spanisch und Portugiesisch sind weit verbreitet, Deutsch umfasst wenigstens ein paar Länder, und die am häufigsten gesprochene Sprache bleibt das Mandarin: Ganze 950 Millionen in China sprechen es, das entspricht fast 14 Prozent der Weltbevölkerung.

Trotzdem: Die meisten wissenschaftlichen Studien werden nicht wahrgenommen, wenn sie nicht auf Englisch erscheinen. Die Werbung, das Management, die Musik, die Wirtschaft, die Wissenschaft, die Diplomatie, das Internet, die Astronomie, der Flugverkehr – alles wird englisch dominiert.

Ungeheuer, Tyrann, Dieb

Das hat historisch mit dem grossen Einfluss der USA auf die Welt zu tun, aber es gibt auch praktische Gründe. So sind die Grundlagen der Sprache leicht zu lernen. Sie hat kurze Silben, keine Fälle, ihre Vokale bleiben ohne Akzente. Das immense Vokabular, die Aussprache und die Schreibweisen kommen später.

Dennoch wird es einigen zu viel mit dieser linguistischen Globalisierung. Im «Guardian» nennt der polnische Historiker Jacob Mikanowskidas die englische Sprache ein Ungeheuer, einen Tyrannen und einen Dieb – und das ist erst der Titel. Er hat recht. Immer wieder, wenn man mit einem Angelsachsen redet, weiss man, was verloren geht, wenn man nur Englisch liest: Sigmund Freud, Theodor Adorno, Georg Büchner, Michel Foucault, Immanuel Kant, Thomas Mann, Max Frisch, Deleuze/Guattari, Heinrich von Kleist, Molière, Franz Kafka, Erika Fuchs, Erich Kästner, Joseph Roth, Ingeborg Bachmann. You have never read them in the original, my dear sir? Do you have any idea how ignorant you are? Obviously not.

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