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Kunstmarkt spielt verrückt69 Millionen für ein Pixelbild – Künstler kanns kaum fassen

Eigentlich kann «Everydays: The First 5000 Days» jeder selber nachbauen. Trotzdem erzielt das Bild einen Rekord-Preis. Was geht hier ab?

Teures Digital-Werk: JPEG-Datei mit 21’069 mal 21’069 Pixeln und dem Titel «Everydays: The First 5000 Days».
Teures Digital-Werk: JPEG-Datei mit 21’069 mal 21’069 Pixeln und dem Titel «Everydays: The First 5000 Days».
Foto: Handout, CHRISTIE'S AUCTION HOUSE / AFP

Über 69 Millionen Dollar für eine Datei: Eine Collage aus 5000 kleinen Bildern hat einen Rekord für digitale Kunst erzielt. Das besonders Frappierende daran ist nicht einmal der Preis selbst, sondern dass praktisch jeder das Werk zuhause nachbauen könnte. Denn es besteht aus aneinander gereihten winzigen Abbildungen digitaler Bilder, die man bei der Online-Plattform Tumblr kostenlos ansehen kann. Der Künstler Beeple lädt fast täglich eines davon hoch.

Jetzt verband er sie zu einer JPEG-Datei mit 21 069 mal 21 069 Pixeln. Die Collage mit dem Titel «Everydays: The First 5000 Days» war einem Käufer nach rund zweiwöchiger Versteigerung 69’346’250 Dollar wert. Beeple, mit bürgerlichem Namen Mike Winkelmann, veröffentlichte die erschüttert-ungläubige Reaktion seiner Familie in einem Video bei Youtube: «Ich fahre nach Disneyworld!», rief er dort aus.

Der Preis stieg und stieg: Mike Winkelmann konnte es kaum glauben.
Video: Christies/Youtube

Hype um Krypto-Geld befeuert Preisanstieg

Das Ergebnis ist der bisherige Höhepunkt des jüngsten Booms digitaler Echtheitszertifikate mit dem Namen NFT (non-fungible token). Sie sorgen dafür, dass unter einer Vielzahl identischer Kopien nur eine Datei als sozusagen signiertes Original gelten kann.

Die Echtheit der Dateien wird bei den meisten aktuellen NFTs mit der Blockchain-Datenkette der Krypto-Währung Ethereum abgesichert. Die Blockchain ist im Grunde eine Datenbank, die alle Transaktionen mit einem digitalen Artikel speichert und auf viele Rechner im Netz verteilt ist. Das macht sie fälschungssicher. Der Hype um Krypto-Geld mit Kursrekorden bei der Digitalwährung Bitcoin dürfte auch den Ansturm auf NFTs befeuert haben.

Der Erschaffer des Werks: Beeple, mit bürgerlichem Namen Mike Winkelmann.
Der Erschaffer des Werks: Beeple, mit bürgerlichem Namen Mike Winkelmann.
Foto: AFP

In den vergangenen Monaten sorgten mit dem Verkauf von NFT-Dateien erzielte Preise immer wieder für Schlagzeilen. Grimes, Popmusikerin und Partnerin von Tesla-Milliardär Elon Musk, verkaufte eine Reihe kurzer Videos für insgesamt rund sechs Millionen Dollar. Ein Clip, in dem Basketball-Star LeBron James den Ball in den Korb hämmert, wechselte für mehr als 200’000 Dollar den Besitzer.

Promis im Spiel

Twitter-Chef Jack Dorsey versteigert aktuell eine digitale Kopie des allerersten Tweets aus dem Jahr 2006, den jeder nach wie vor im Netz sehen kann. Das höchste Gebot liegt bei 2,5 Millionen Dollar. Käufer spekulieren darauf, dass die Dateien mit NFT-Zertifikat irgendwann so viel wert sein könnten wie heute seltene Sammelkarten von Baseball-Spielern.

Beeple, Jahrgang 1981, wurde schon vor der Auktion bei Christie’s zu einem Star der Digitalkunst-Szene. Im Dezember verkaufte er eine Kollektion aus 20 NFT-Bildern für 3,5 Millionen Dollar. Im Februar wechselte sein Werk «Crossroads», das Donald Trump als Verlierer der US-Präsidentenwahl zeigt, für 6,6 Millionen Dollar den Besitzer.

Kampf um jüngere Kundschaft

Nach spezialisierten Plattformen sprang nun Christie’s auf den Zug auf. Das Auktionshaus setzte vor der Versteigerung keinen Schätzpreis an – weil der NFT-Markt so neu sei, wie sein Experte Noah Davis dem «Wall Street Journal» sagte.

Die renommierten Auktionshäuser kämpfen darum, jüngere Kundschaft anzulocken. Mehr als die Hälfte der 33 Bieter wurden in den Jahren 1981 bis 1996 geboren, teilte Christie’s nach der Auktion am Donnerstag mit. Der Käufer der gut 319 Megabyte grossen Datei kann immerhin soweit reinzoomen, dass er sich jedes einzelne Bild der Collage ansehen kann – auch wenn bei zu hoher Vergrösserung die einzelnen Pixel sichtbar werden.

sda/cpm

38 Kommentare
    Detomaso

    Die Zukunft: Smartphone gesteuerte digital Zombies.