Lasst die Spiele beginnen!

Rio 2016 hautnah: Zehn Journalisten, zehn Disziplinen, zehn Erfahrungsberichte. ­In unserer Sommerserie weht der olympische Geist ­amateurhaft übers Bellevue.

Der irrste Zehnkämpfer: Rémi Gaillard, französischer Komiker und Youtube-Star, inspiriert mit seinem schrägen Training von 2007 das Bellevue-Team 2016.

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Wissen Sie noch, in welcher Stadt vor vier Jahren die Olympischen Sommerspiele stattfanden? Eben. Höchste Zeit für Rio 2016! Diesmal wollen wir von der Bellevue-Redaktion die Spiele nicht nur vor dem Fernseher verfolgen. Wir wollen eintauchen, erleben, dabei sein. Wir wollen leiden, wie sonst nur Olympioniken leiden. Wir wollen die Süsse des Sieges kosten. Und wir werden die Bitterkeit der Niederlage schmecken. Wir wollen den olympischen Geist atmen – getreu dem Motto der diesjährigen Spiele: Lebe deine Passion.

Der Selbstversuch
Es ist ja schon beinahe eine Bellevue-Tradition, dass sich unsere Autorinnen und Autoren während der Sommer­ferien für Sie ins Abenteuer stürzen. Alle vier Jahre? Nein, alle vier Quartale! Unsere Passion? Hautnah erleben, hautnah berichten. Und so probieren wir während der kommenden fünf Wochen zehn olympische Sportarten aus: Wir suchen nach deren Reiz und werden dabei unsere Talente entdecken (oder als Talente entdeckt). Wir schiessen mit dem Pfeilbogen und auf Tonscheiben, wir springen vom Turm und mithilfe eines Stabs über Stangen. Wir kassieren Schläge im Boxring und auf der Taekwondo-Matte. Wir spielen Wasserball, wir fechten als Fechter und als Fünfkämpferin. Wir schlagen Golfbälle und persönliche Rekorde.

Der Experte
Wir knien uns also richtig rein, hoffen neben Muskelkater auf ganz viele Glückshormone. Deswegen ist Sport für manche wie eine Droge, Trainieren eine Sucht. Niemand weiss das besser als ­Patrick Frey (65), Schauspieler, Komiker, Autor, Verleger und jetzt fünf Wochen lang unser Olympiaexperte. Frey widmet sich im Rahmen unserer Sommerserie der psychologischen Komponente des Sports und geht jeweils zum Start jeder neuen Sportart der Frage nach: Was fehlt einer Person psychisch, die just diesen Sport als den ihren ausgewählt hat? Was also fehlt der Person, die sich dem Stabhochsprung hingibt? Was jener, die mit einer Flinte auf Tonscheiben schiesst? Und natürlich wollen wir wissen: In welchem Spital ist denn bitte eine Bogenschützin krank? Stichwort Bogenschützin: Robin Hood startet unsere Sommerserie.

Das Vorbild I
Sie haben David Ekström noch nie im leuchtgelben Tutu gesehen? Der Anblick des schwedischen Journalisten, der sich auf die Spiele in London hin in rhythmischer Sportgymnastik und Dressur­reiten versucht hat . . . unserem Bildchef liess er keine Ruhe. Ekström sah so wunderbar hilflos aus – das wollen wir unseren Lesern auch bieten.

Die Zeitung «Norran» hat übrigens für das Konzept ihrer Olympiaserie einen Newspaper-Award abgeräumt. Die olympische Goldmedaille des Journalismus quasi. Dem eifern wir die nächsten fünf Wochen nach.

Das Vorbild II
Der «Spiegel» nannte ihn den «Maximal-Olympioniken». Ilija Trojanow (50), Bestsellerautor, hat die Pause zwischen zwei Olympischen Spielen (London 2012, Rio 2016) dazu genützt, seine ganz eigene Olympiade abzuhalten. Seine «Allympics» umfassen 80 Sportarten. Er hat in New York geboxt, in Wien gefochten, in Zürich Taekwondo trainiert, in Tokio Judo gemacht, ist im Becken geschwommen. Seine Zielsetzung: In jeder Disziplin halb so gut zu sein, wie der Sieger von London 2012. Seine Erkenntnis: «Der einzige Mensch, den es zu besiegen galt, war ich selbst.» Den Weg zu dieser Erkenntnis gibt es nachzulesen in «Meine Olympiade. Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen», S. Fischer Verlag, 2016.

Das Vorbild III
Im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 in Peking kursierte im Internet ein Video eines lustigen Franzosen. Rémi Gaillard widmete sich einigen, auf den Alltag adaptierten, olympischen Sportarten. Er mass sich im 100-Meter-Lauf mit einem Tram, machte Weitsprung auf der einen und Hochsprung auf einer anderen Baustelle. Er eiferte Werner «Kugel-Werni» Günthör mit einer Honigmelone nach, umrundete im 400-Meter-Lauf einen Kreisel, landete beim Stabhochsprung in den Büschen und versuchte sich im Speerwerfen mit einer Fischerrute.

Gaillard entdeckte Sport und Spott im Internet als seine Disziplin, seine ­Videos sind legendär. Der arbeitslose Schuhverkäufer fiel 2002 das erste Mal auf: Am Ende des französischen Cup­finals nahm er als Spieler des FC Lorient an der Pokalübergabe teil – zur Täuschung reichte ein Trikot. Gaillard schüttelte dabei sogar dem damaligen Präsidenten Jacques Chirac die Hand: «Gut gespielt!», war das präsidiale Lob. Gut Fussball spielt er tatsächlich; seine Trickschüsse und die Videos davon brachten ihm einen Werbevertrag mit Nike. Sonst ärgert er als Känguru Golfer und als «Super Mario» die Polizei – und hält alles mit der Videokamera fest.

Das Feuer
Zehn olympische Disziplinen probieren unsere Bellevue-Olympionikinnen und -Olympioniken während der kommenden fünf Wochen aus. Alle drei Tage geben sie das olympische Feuer einer Kollegin, einem Kollegen weiter. Wir hoffen, dass das Feuer auch auf Sie, liebe Leserinnen und Leser, überspringt. In diesem Sinne: Lasst die Spiele ­beginnen! (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.07.2016, 09:07 Uhr

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