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Schleppender Ausbau der FotovoltaikLasst uns endlich Solarstrom produzieren!

Es wird viel über das grosse Potenzial der Sonnenenergie in der Schweiz geredet. Doch so richtig vorwärts kommt der Ausbau nicht. Die Politik muss nachhelfen.

Ein gute Beispiel: Das Dach des Altersheims Seegarten in Hünibach BE ist mit Solarpanels bedeckt,
Ein gute Beispiel: Das Dach des Altersheims Seegarten in Hünibach BE ist mit Solarpanels bedeckt,
Foto: PD

Die Schweiz ist theoretisch auf einem guten Weg, ein Solarland zu werden. Die Experten sind sich zwar nicht ganz einig, wie gross das Potenzial für Strom aus Fotovoltaik tatsächlich ist. Aber es sollte reichen, um uns von den fossilen und nuklearen Energiequellen in den nächsten 30 Jahren verabschieden zu können. Die Skepsis gegenüber der Solarenergie ist nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Energiebranche gewichen. Eine eben veröffentlichte Studie rechnet kurzfristig mit 14’000 neuen Arbeitsplätzen, falls der Ausbau zügig vorwärtsgeht. Auch die Politik hat in den letzten Jahren die Anreize erhöht, um die Fotovoltaik attraktiv zu machen. Wer sich dafür entscheidet, erhält einen Investitionsbeitrag, darf den Strom für sich nutzen und ins Netz einspeisen.

Trotzdem reicht dies offensichtlich bei weitem nicht aus, um das Zubautempo massiv zu erhöhen. Die neuste Marktanalyse des Fachverbandes Swissolar zeigt, dass im letzten Jahr nur etwa 3,8 Prozent des Energieverbrauches aus Solarstrom stammte. Die Klima- und Energieziele für das Jahr 2050 erreichen wir jedoch nur, wenn die jährliche Zubaugeschwindigkeit auf das 4- bis 5-Fache beschleunigt wird. Die installierte Leistung muss um den Faktor 20 erhöht werden.

Eigene Produktion ist langfristig billiger

Erreichbar ist das nur, wenn sich eine Investition in Fotovoltaik für alle lohnt. Das ist heute vor allem dann der Fall, wenn möglichst viele Kilowattstunden der Stromproduktion auf dem Dach für den Eigengebrauch verwendet werden. Die eigene Stromproduktion ist über die Lebensdauer der Anlage gerechnet deutlich billiger als die eingekaufte Energie über das Netz.

Der Haken dabei: Die Investoren dimensionieren die Anlage anhand des Eigenverbrauchs und nicht anhand des Solarpotenzials ihres Gebäudes. Der Grund: Eine grössere Anlage produziert mehr überschüssige Energie für das Stromnetz. Das rentiert jedoch nur, wenn die Elektrizitätswerke einen entsprechend fairen Einspeisetarif bezahlen. Und das über einen garantierten längeren Zeitraum. Die Spannweite der Einspeisetarife ist jedoch gross in der Schweiz. Und die Vergütungen könnten massiv fallen, wenn die vom Bundesrat angestrebte Strommarkt-Liberalisierung in der Schweiz eingeführt wird und der Stromkunde den Lieferanten selbst auswählen kann. Besonders betroffen wäre in diesem Fall der Ausbau von Grossanlagen, die ausschliesslich ins Stromnetz einspeisen.

Investoren müssen darauf vertrauen können, dass Fotovoltaikanlagen langfristig rentabel sind.

Doch für die Energiewende in der Schweiz brauchen wir eine Fotovoltaik, deren Potenzial auf den Dächern und Fassaden möglichst vollständig ausgeschöpft wird. Wir brauchen Flächen auf Industrie- und Scheunendächern, aber letztlich auch auf Parkfeldern, Lärmschutzwänden oder Eisenbahnböschungen.

Dafür lassen sich Investoren nur gewinnen, wenn sie auf sichere Rahmenbedingungen bauen können. Das heisst: Sie müssen darauf vertrauen können, einen über längere Zeit garantierten, einheitlichen Einspeisetarif zu erhalten, der Fotovoltaikanlagen rentabel macht.

Welche Finanzierungsform auch immer dafür gewählt wird – das Parlament ist nun gesellschaftlich verpflichtet, in der Revision des Energiegesetzes, dessen Vernehmlassungsfrist nächste Woche abläuft, alles zu unternehmen, um den Ausbau der Solarenergie in den nächsten zehn Jahren massiv zu beschleunigen.