Zwei Päpste heiliggesprochen

Im Vatikan hat Papst Franziskus vor rund einer Million Pilgern und im Beisein seines Vorgängers Benedikt XVI. die Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. zu Heiligen erklärt.

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Papst Franziskus hat heute seine verstorbenen Vorgänger Johannes XXIII. und Johannes Paul II. heiliggesprochen. Bei einer Messe unter bewölktem Himmel auf dem Petersplatz im Vatikan nahm der 77-Jährige die früheren Oberhäupter der katholischen Kirche aus Italien und Polen in das Verzeichnis der Heiligen auf. Damit können beide weltweit als Heilige verehrt werden. Nach der Heiligsprechung wurden Franziskus Reliquien der verstorbenen Päpste überreicht.

Hunderttausende Gläubige, die zu dem Ereignis nach Rom gereist waren, applaudierten anschliessend. Auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. zelebrierte die Messe mit, jedoch nicht am Altar, sondern bei den Kardinälen. Als er erschien, brach langer Applaus auf dem Petersplatz aus. Franziskus begrüsste vor dem Beginn der Messe seinen 2013 zurückgetretenen Vorgänger.

Mehr als 90 internationale Delegationen

Franziskus feierte den polnischen Vorgänger und den italienischen Reformpapst gemeinsam mit etwa 150 Kardinälen, rund 1000 Bischöfen aus aller Welt sowie 6000 Priestern. In Polen und in Rom hatten sich in der Nacht zum Sonntag tausende Gläubige in Kirchen oder auf öffentlichen Plätzen auf die Heiligsprechungen vorbereitet.

Mehr als 90 Delegationen von Regierungen und internationalen Organisationen waren für den feierlichen Akt nach Rom gekommen, darunter allein 24 Staatsoberhäupter. Regierungschefs sowie Vertreter von Königshäusern und von anderen Religionen waren ebenfalls präsent. Die Schweiz wurde von ihrem Botschafter im Vatikan, Pierre-Yves Fux, vertreten.

Versöhnung zwischen Liberalen und Konservativen

Die zeitgleiche Heiligsprechung zweier früherer Päpste gilt zahlreichen Katholiken in aller Welt als historisches Ereignis. Den Petersdom zierten Abbildungen der beiden verstorbenen Kirchenoberhäupter. Zu den Feierlichkeiten wurden in Rom mindestens 800'000 Gläubige erwartet, möglicherweise aber auch wesentlich mehr Menschen.

Beobachter vermuten, dass Papst Franziskus die beiden Päpste gleichzeitig heiligsprach, um das liberale und das konservative Lager innerhalb der katholischen Kirche miteinander zu versöhnen. Johannes XXIII. gilt als Wegbereiter für eine Modernisierung der Kirche, Johannes Paul II. steht hingegen für eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte. (rub/AFP/sda)

Erstellt: 27.04.2014, 08:12 Uhr

In der Regel mindestens zwei Wunder

Wer in der katholischen Kirche heiliggesprochen wird, lebte ein im christlichen Sinn vorbildliches Leben und bewirkte in der Regel mindestens zwei Wunder. Eines ist nötig, um in den Kreis der Seligen aufgenommen zu werden. Ein entsprechendes Verfahren kann laut Kirchenrecht frühestens fünf Jahre nach dem Tod eingeleitet werden, in Ausnahmefällen aber auch früher. Selige werden in der Kirche örtlich begrenzt oder innerhalb bestimmter Gemeinschaften verehrt, nicht aber weltweit.

Ein zweites Wunder braucht es, um zum Heiligen zu werden, was eine Verehrung rund um den Globus erlaubt. In bestimmten Fällen kann ein Papst jedoch auch ganz von Wundernachweisen absehen. Namentlich registriert sind in der katholischen Kirche nach dem jüngsten Stand von Mitte der 2000er Jahre mehr als 6500 Selige und Heilige. Hinzu kommen mehr als 7000 offizielle Märtyrer, die für ihren Glauben starben. (sda)

Vom Papst zum Heiligen: Rund eine Viertelstunde nach Beginn des Gottesdienstes ernannte Papst Franziskus seine beiden Vorgänger zu Heiligen der Katholischen Kirche. (Video: Reuters )

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