Dieser Mann missachtet sämtliche Kleiderregeln

Keine Krawatte, offenes Hemd, Barbour-Jacke – sieht so ein Minister aus? Yanis Varoufakis schon. Und das zeigt Wirkung.

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Glaubwürdigkeit ist die härteste Währung im Politgeschäft, denn sie hat mit Vertrauen zu tun, und dieses wiederum ist entscheidend dafür, gewählt zu werden. Grundlage der Glaubwürdigkeit ist die Authentizität. Wie die geht, zeigen gerade die Herren Tsipras und Varoufakis, die Konkursverwalter Griechenlands. Sie verzichten auf Krawatten.

Die Linken haben zwar immer Distanz zum Establishment signalisieren wollen, indem sie auf eine krawattenlose Kluft setzten; es sorgte aber meist bloss dafür, dass sie schmuddelig aussahen oder trotzig. Und letztlich eben doch wie Politiker, einfach wie solche, die bemüht waren, nicht danach auszusehen. Der anbiedernd zelebrierten Bürgernähe fehlte es immer am Entscheidenden: an der Authentizität.

Ein Hauch von Verwegenheit

Yanis Varoufakis ist da von einem ganz anderen Kaliber. Als der Finanzminister bei seinem Besuch in London Anfang Woche eine gewachste Barbour-Jacke, ein oben offenes Hemd sowie eine schwarze Jeans trug, stand da eindeutig kein Politiker. Sondern eine Art Marine aus dem Finanzdepartement. Da stand jedenfalls ein Mann, der sich pudelwohl fühlt in seiner Haut. Einer, der mit jeder Faser seines Körpers den Eindruck vermittelt, zupacken zu können. Hinzu kam der unwiderstehliche Hauch von Verwegenheit und Rebellentum. George Osborne wirkte in seinem Anzug daneben wie ein Konfirmand, und überhaupt ein wenig verschreckt angesichts von so viel Unangepasstheit und Selbstbewusstsein.

Varoufakis vertritt ein Land, das am Boden liegt. Dass er in dieser Situation darauf verzichtet, sich an die gängigen Kleiderregeln zu halten, ja, dass er ungeachtet der griechischen Misere den Punk gibt, passt. Sein Aufzug schreit nachgerade: Ich mache hier nicht den Bückling. So, wie George Osbourne dreingeschaut hat, funktioniert das hervorragend. Noch nie sah einer ohne Krawatte so mächtig aus. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.02.2015, 16:13 Uhr

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