Wie das Schwulsein bunt wurde

Nach der Legalisierung der Homo-Ehe in den USA nahm der Regenbogen-Filter die Social Media ein. Um die Entstehung der farbigen Flagge ranken sich verschiedene Sagen.

Die heutige Version der Regenbogenflagge als Zeichen für Stolz und Vielfalt homosexueller Lebensweisen.

Die heutige Version der Regenbogenflagge als Zeichen für Stolz und Vielfalt homosexueller Lebensweisen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Lila – das Internet explodiert vor Farbenpracht. Der Entscheid der USA, die gleichgeschlechtliche Ehe zu erlauben, löste weltweit starke Reaktionen aus. Nicht nur auf den Strassen wird gefeiert: Befürworter twittern und posten, was das Zeug hält. Mit dem Hashtag #LoveWins und regenbogenfarbigen Profilbildern bejubelt die Welt das richtungsweisende Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten.


Arnold Schwarzenegger und Leonardo DiCaprio änderten ihr Profilbild und setzten ein klares Zeichen gegen das Homophobiegesetz.

Der Hype um die Regenbogenflagge

Wer auf die Seite facebook.com/celebratepride klickt, kann sein Profilbild unkompliziert mit dem von Facebook zur Verfügung gestellten Regenbogen-Filter schmücken. Laut Facebook haben über eine Million User dieses Feature genutzt. Eine virale Verbreitung, die kritische Fragen aufwirft. Wo liegt Facebooks Nutzen hinter dem «Celebrate Pride»-Trend? Ist es ein Experiment der Plattform zur Datensammlung? Das Phänomen ähnelt einem bereits 2013 stattgefundenen Prozedere, als durch die Human Rights Campaign bereits Profilbilder mit einem roten Gleichheitszeichen bestückt wurden. Eine Frage, die momentan offenbleibt.

Doch was hat die farbenfrohe Fahne genau zu bedeuten? Bunte Fahnen werden auch oft mit Antikriegsprotesten assoziiert. Der weisse Schriftzug «Pace» – Frieden – auf regenbogenfarbigem Grund setzte sich weltweit als Symbol der Friedensbewegung durch. Dennoch ist sie nicht zu verwechseln mit der «Gay Flag»: So sind bei der nur sechsfarbigen Fahne, die seit den Siebzigerjahren als ein internationales schwul-lesbisches Symbol gilt, die Rottöne oben und die Blautöne unten platziert.

Eine definitive Aussage zur Entstehung der Flagge ist schwierig. Wurde die Gay Flag von der 1961 entworfenen Friedensflagge abgeleitet? Unklar ist auch, ob und inwiefern das Design der Flagge von der Schauspielerin Judy Garland beeinflusst wurde, die 1969 starb. An der Beerdigung trugen mehrere Schwule Regenbogenfarben. Dies als Anspielung auf ihr Lied «Over the Rainbow» aus dem Film «Der Zauberer von Oz».

«Naturnah – direkt vom Himmel!»

Eine zentrale Rolle bei der Entstehung spielte der amerikanische Künstler Gilbert Baker, der damals als Dragqueen «Betsy Ross» bekannt war. 1976, im Jahr des 200. Jubiläums der Vereinigten Staaten, fielen Baker die zahlreichen amerikanischen Flaggen auf. Dies habe ihn erstmals auf die Idee gebracht. «Eine Flagge als Symbol ist mächtiger als jedes Schild», erklärt er in einem Interview mit dem Museum of Modern Art, welches die Regenbogenfahne kürzlich in ihre Sammlung aufnahm.

Bakers Leben änderte sich durch Harvey Milk, den ersten offenen schwulen Politiker der USA. «Er war ein guter Freund und eine wichtige Figur in der Schwulenszene der 70er-Jahre», sagt Baker. Milk beauftragte Baker, eine neue Symbolik der Homosexualität für den von ihm organisierten bevorstehenden Marsch zu entwerfen. Wenige Monate später wurde Milk erschossen. Dennoch musste das frühere Symbol, der Rosa Winkel, ersetzt werden. Das einst als Kennzeichen von Schwulen in Konzentrationslagern genutzte Dreieck wurde negativ mit der Vergangenheit assoziiert. «Wir brauchten etwas Schönes, etwas Eigenes», so Baker. Inspiriert von der «Flagge der Rassen» schien ihm der Regenbogen eine perfekte Alternative. Er zeige die Vielfalt der Rassen, des Geschlechts, Alters – des Menschen. Und: «Es ist eine natürliche Flagge – direkt vom Himmel!», betont er.

Gilbert Baker hilft, eine 250 Meter lange Regenbogenflagge an der Stockholm-Pride-Parade zu tragen. (2. August 2003) Keystone/Fredrik Persson

Den Geburtsort der Fahne wählte Baker gezielt aus. Im Estrich des Homosexuellen Community Center in San Francisco entwarf er mit 30 Helfern die ersten Regenbogenflaggen. Am Gay Freedom Day vom 25. Juni 1978 zog die Gruppe die zwei Flaggen erstmals auf der United Nations Plaza auf. Es waren die revolutionäre Regenbogenflagge sowie eine amerikanische Flagge mit regenbogenfarbigen Streifen.

Die Farben der Regenbogenfahne

Jede Farbe der ursprünglich achtfarbigen Flagge hatte eine Bedeutung. Pink stand für die Sexualität, Rot für das Leben, Orange für die Gesundheit, Gelb für das Sonnenlicht, Grün für die Natur, Türkis für die Kunst, Blau für die Harmonie und Violett für den Geist.

Für die Massenproduktion wandte sich Gilbert Baker an die Paramount Flag Company, welche die Farbe Pink aus produktionstechnischen Gründen weglassen musste. Als die Flagge im November 1979 am Protest- und Trauermarsch zu Ehren von Harvey Milk verwendet wurde, entfernten die Organisatoren den türkisfarbenen Streifen, damit sie jeweils drei Farben auf jeder Strassenseite aufhängen konnten. So entstand eine sechsfarbige Flagge – die heutige Version, die zur «Nationalflagge» der weltweiten schwul-lesbischen Community wurde. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.07.2015, 12:53 Uhr

Die Liebe gewinnt

In einer historischen Entscheidung am 26. Juni 2015 urteilte der Supreme Court, dass das Verbot von gleichgeschlechtlichen Eheschliessungen gegen die Verfassung verstosse.

Während 37 Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington homosexuelle und heterosexuelle Partnerschaften in den vergangenen Jahren gleichstellten, herrschte in 13 Staaten weiter ein Verbot. Nun wurde die Homo-Ehe in allen 50 Bundesstaaten legalisiert.


US-Präsident Barack Obama zum Entscheid. (Video: Youtube/ The White House)

Artikel zum Thema

Die Homo-Ehe als «Gefahr für die Demokratie»

In einer historischen Entscheidung legalisierte das oberste US-Gericht die Homo-Ehe landesweit – zum Entsetzen des konservativen Flügels des Gerichts. Mehr...

Oberste Richter legalisieren Homo-Ehe in den USA

Der Oberste Gerichtshof der USA hat die Homo-Ehe in allen 50 Bundesstaaten für legal erklärt. Die Richter gaben ihre Entscheidung heute bekannt. Mehr...

Ehe für alle

Güzin Kar findet, dass ihrem schwulen Gemüseverkäufer eine Heirat erlaubt ein soll – auch wenn er Kürbisse grün anmalt, um sie als Melonen zu verkaufen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.



Die farbige Version der amerikanischen Flagge. (Bild: Keystone/ Jeff Chiu)

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Sweet Home 10 Wohnideen, die Leben in die Bude bringen

Tingler Die Liebe im 21. Jahrhundert

Die Welt in Bildern

Schlangenfrauen: Kontorsionistinnen während einer Aufführung im Cirque de Soleil in Auckland. (14. Februar 2019)
(Bild: Hannah Peters/Getty Images) Mehr...