Hinten in der ersten Reihe

Im neuen Mercedes E-Klasse Cabriolet sitzt man auch im Fond komfortabel – dank ordentlicher Platzverhältnisse und wirksamen Windabweisern.

Mit dem Cabriolet ist die neue Generation der Mercedes E-Klasse komplett. Fotos: Mercedes

Mit dem Cabriolet ist die neue Generation der Mercedes E-Klasse komplett. Fotos: Mercedes

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Das hätte man jetzt gerne gesehen. Den Mont Blanc zum Beispiel, dessen Schneefelder sich aber in hartnäckige Wolken hüllen. Oder das nächtliche Aostatal, aber leider stellt der Skyway Monte Bianco – derselbe Berg auf Italienisch – um 17:30 Uhr den Betrieb ein. Oder ein Mercedes E-Klasse Cabriolet in Basisaustattung. Denn die Bildschirme im Cockpit mit je 31 Zentimeter Diagonale für Instrumente und Navi sind optional. Das bedeutet: Aufpreis 4815 Franken. Die Grundversion muss sich mit einem 17,8-Zentimeter- Monitörchen und Rundinstrumenten begnügen. Wie das wohl ausschaut?

Nicht berühren: Monitore ohne Touchfunktion – der Fingerspuren wegen.

Aber natürlich tragen die Testwagen das volle Optionen-Ornat. Und künftige Käufer der Sonnenbrand-Version der Mercedes E-Klasse werden sich wohl ähnlich entscheiden: Genussmaximierung statt schnöder Fortbewegung. Raus in die Natur, aber bitte ohne Lästigkeiten wie Wind und Wetter. Deshalb hat sich Chefentwickler Christian Früh beim grösseren S-Klasse-Cabrio bedient: Auch im E-Cabrio wärmt eine Düse in der Kopfstütze und lenkt das Aircap-System den Wind über die Passagierköpfe hinweg. Das Netz oben am Frontscheibenrahmen und ein ausfahrbares Windschott hinter dem Fond deformieren die flache Silhouette optisch zwar nachhaltig, aber selbst in zweiter Reihe bleibt die Frisur grossteils intakt. Die bessere Alternative gegenüber dem klassischen, über den Rücksitzen aufgestellten Windschott, das die Viersitzigkeit ad absurdum führt. Nur an den Gurten zupft es bei Autobahntempo etwas – die Seitenscheiben ein, zwei Zentimeter hochzufahren, hilft.

Mithilfe des Sprengsatz

Kalifornier freuen sich über das das Sonnenlicht reflektierende Leder, Schweizer über die Allwettertauglichkeit des Stoffverdecks, dass sich innert 20 Sekunden und bis Tempo 50 vor- oder zurückfalten lässt. Ein Stahlklappdach wie beim Roadster SLC stand nie zur Diskussion, sagt Früh – moderne Stoffverdecke halten auch dem Winter stand, sind aber leichter und beanspruchen weniger Bauraum. Und der war knapp im Heck, weil Tank, eine Skidurchlade zwischen den zwei einzeln umklappbaren Fondsitzen und 310 bis 385 Liter Laderaum bei offenem, beziehungsweise geschlossenem Dach untergebracht werden mussten.

Regendicht: Die Dachlinie entspricht geschlossen der des Coupés.

Hinter den Rücksitzen beanspruchen zudem die Stempel des Überrollschutzes ihren Platz. Im Un-Fall werden sie per Sprengsatz ausgefahren und durchstossen dann das Verdeck um drei Zentimeter, um bei drohendem Überschlag die Köpfe der Fondpassagiere zu schützen. Das E-Cabrio trägt serienmässig ein extraleises Akustikverdeck, für das im Pendant der C-Klasse Aufpreis fällig wäre. Die zusätzliche vierte Lage zur Dämmung musste auch in gefaltetem Zustand noch in den Verdeckkasten passen.

Kein Knirschen, kein Knarzen

Allerdings steht in der neuen E-Klasse- Generation auch mehr Platz zur Verfügung als im Vorgänger bei 12 Zentimetern mehr Länge, deren sieben mehr Breite und einem Zuwachs von 11 Zentimetern beim Radstand. In diesem Cabrio sitzt man auch hinten proper, ohne die Schuhe unter den Vordersitz fädeln zu müssen. Dennoch wirkt die Neuauflage schlanker als der vor allem im Heckbereich etwas plumpe Vorgänger. Scheint, als ob die offene Variante gleich bei der Entwicklung der E-Klasse mit konzipiert wurde.

«Wurde sie auch», sagt Früh. Deshalb genügten wenige zusätzliche Karosserieversteifungen, um den Vierplätzer nicht zum Bananenauto – biegt sich in Schlaglöchern – zu machen. Rund 95 Kilogramm mehr, davon 51 Kilogramm für das Verdeck, wiegt die offene Version gegenüber dem vergleichbar motorisierten Coupé und fährt sich ohne spürbare Unterschiede. Kein Knirschen, kein Knarzen in der Karosserie; nur der Vorwärtsdrang scheint minimal verzögert durch die zusätzlichen Kilos. Kein Problem in solch einem Genussauto.

Giga-Bildschirme im Cockpit

Zum Marktstart im September sind ein Turbodiesel mit 194 PS und drei Turbobenziner, Vierzylinder mit 184 oder 245 PS und ein 333 PS starker V6 namens E400, lieferbar; ein V6-Turbodiesel steht ebenso auf der To-Do- Liste wie eine sicher noch folgende AMG-Sportversion. Die Neunstufen-Automatik wird serienmässig verbaut; erstmals im Cabrio lässt sich auch Allradantrieb ordern, der im E400 immer an Bord ist.

Offenporiges Holz, zurückhaltend lackiertes Leder, Alu für Regler und Lautsprecher – das Interieur wirkt makellos. Mercedes’ Innenraumschwäche, noch beim Vorgänger fühlbar, ist längst überwunden. Stellt sich nur die Frage, wer angesichts derartiger Genussmaximierung künftig noch ein S-Cabrio kaufen wird. Zumal es mit rund 100'000 Franken mehr zu Buche schlägt als das günstigste E-Cabrio. Früh murmelt «Image» und «das wäre ja schon noch etwas anderes». Stimmt: Die nahtlos zusammengefügten Giga-Bildschirme im Cockpit gibt es im S weder für Geld noch gute Worte.

Andreas Faust fuhr das neue Mercedes E-Klasse Cabriolet am 19./20. Juni auf Einladung von Mercedes-Benz Schweiz in Frankreich und Italien.

Erstellt: 30.06.2017, 15:04 Uhr

Mercedes E-Klasse Cabriolet

Frischluft für Vier

Modell: Oberklasse-Cabrio mit 4 Plätzen und 2 Türen.

Masse: Länge 4826 mm, Breite 1860 mm, Höhe 1428 mm, Radstand 2873 mm.

Kofferraum: 385 Liter.

Motoren: Turbodiesel mit 194 PS (143 kW), Turbobenziner mit 184 PS (135 kW) bis 333 PS (245 kW).

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h 5,5 bis 8,1 Sekunden.

Höchstgeschwindigkeit: 234 bis 250 km/h.

Verbrauch: 4,3 bis 8,3 Liter auf 100 Kilometer.

CO2: 113 bis 187 Gramm pro Kilometer.

Markteinführung: September 2017.

Preis: ab 68'000 Franken.

Infos: www.mercedes-benz.ch

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