«Am liebsten hätte ich nur schöne Leute um mich»

Der Schönheitschirurg Clarence P. Davis sagt, wir seien auf dem besten Weg zu amerikanischen Verhältnissen. Eine Chefsekretärin in einer Zürcher Bank ohne Botox sei nicht mehr möglich.

«Schönheitsoperationene sind Dienstleistungen, die sich junge Frauenleisten wie Autos oder Handys», Clarence P. Davis in seiner Praxis in Zollikon.

«Schönheitsoperationene sind Dienstleistungen, die sich junge Frauenleisten wie Autos oder Handys», Clarence P. Davis in seiner Praxis in Zollikon. Bild: Doris Fanconi

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Clarence P. Davis macht nach eigenen Aussagen aus «Ihren etwas unscheinbaren Brüsten zwei freche, ausgewachsene und knackige Äpfel». Grund genug, dem smarten Schönheitschirurgen einmal auf den Zahn zu fühlen. Doch schon auf dem Weg zu seiner Praxis taucht die erste Hemmschwelle auf. Man traut sich nicht, selbstverständlich und selbstbewusst nach dem Weg zu fragen. Der Gefragte könnte ja meinen . . .

Herr Davis, ist Schönheit gerecht verteilt?
(lacht) Schönheit an sich ist etwas, wofür weder Reiche noch Arme etwas können. Wenn Schönheit aufgepeppt werden soll, dann haben reiche Leute einen Vorteil. Es ist aber nicht so, dass unsere Klientel nur aus Reichen besteht. In den letzten fünf Jahren ist das Zielpublikum deutlich grösser geworden. Die Preise wurden entsprechend moderater, und der Dünkel ist verschwunden. Heute ist das vor allem eine Dienstleistung, die sich junge Frauen genauso leisten wie ein Auto oder ein Handy.

In den USA wünschen sich schon 18-Jährige eine Schönheitsoperation. Stimmt das?
Das ist richtig. Die Amerikaner haben eine andere Einstellung zur Schönheitsoperation, sie ist ein Statussymbol.

Sind wir auch schon so weit?
Ich würde jetzt nicht gerade von amerikanischen Verhältnissen sprechen, wir sind aber auf dem besten Weg dorthin. Vielleicht wird das in fünf Jahren so sein (lacht). Ich würde sagen, eine Chefsekretärin in einer Zürcher Bank ohne Botox, das ist vermutlich nicht mehr möglich. Der Konkurrenzkampf wird härter, und das Aussehen spielt eine immer grössere Rolle, vor allem bei Frauen.

Wie jung sind Ihre jüngsten, wie alt Ihre ältesten Patientinnen?
Drei Viertel von ihnen sind zwischen 22 und 45 Jahren. Dann gibt es die Ausreisser – wir haben schon einer 87-Jährigen Fett abgesaugt, aber auch schon mal einem 12-jährigen Mädchen.

Was wird am meisten gewünscht?
Fettabsaugen und Brustvergrösserungen. 80 Prozent unseres Umsatzes machen wir damit. Massiv angezogen hat zuletzt die Intim-Chirurgie. Ansonsten die üblichen Verdächtigen: Augenlidstraffung, Bauchdeckenstraffung, Nasenkorrekturen.

Intim-Operationen? Wie alt sind diese Patientinnen?
Das kann schon mit 14 sein, wenn die Mädchen anfangen, Schamgefühle zu entwickeln. Wenn sie sich nach dem Sport nicht getrauen, mit anderen Mädchen zu duschen, weil sie zu grosse Schamlippen haben. In der Regel sind es aber eher Frauen um die 40.

Wieso boomen Intim-Operationen?
Weil es sozusagen das letzte Feld ist, das noch beackert werden kann. Jetzt, da es möglich ist, will man es auch haben. Bei einer natürlichen Geburt zum Beispiel kann es vorkommen, dass die Vagina ausgedehnt wird und das Lustempfinden dadurch verringert wird.

Gibt es viele Frauen, die deshalb einen Kaiserschnitt bevorzugen?
Eher nein, Frauen sind da eigentlich sehr natürlich eingestellt. Ich sehe das auch bei meiner schwangeren Frau: Sie will natürlich gebären, ich hätte lieber einen Kaiserschnitt, damit nachher untenrum alles wieder so ist wie vorher. Da beisse ich aber auf Granit.

Was machen Amerikaner schon, was uns noch bevorsteht?
Was eben von da übergeschwappt ist, ist der sogenannte Brazilian Butt Lift: eine Vergrösserung des Gesässes mit eigenem körpereigenem Fett von den Oberschenkeln. Das gibt wunderschöne Hinterteile.

Was gibt es sonst noch für Angebote mit Eigenfett?
Seit fünf Jahren bieten wir Brustvergrösserungen mit Eigenfett an. Das hat sich in den letzten drei Jahren als grosser Trend erwiesen. Der einzige Nachteil ist die Grösse des Busens: Anders als bei Silikon kann man pro Eingriff nicht über ein gewisses Volumen hinausgehen. Aber es ist eine sehr schöne Alternative für Frauen, die genug Fett haben und nicht allzu grosse Brüste wollen.

Welche Operationen lehnen Sie ab? Der einzige harte Grund, eine Operation abzulehnen, ist die medizinische Fehlindikation. Eine Brustvergrösserung mit 14 etwa ist schlicht eine Idiotie. Da muss man warten, bis die Brust ausgewachsen ist. Wir haben aber wie gesagt auch schon einer 12-Jährigen Fett abgesaugt. Wenn es keine harte medizinische Indikation gibt und ich potenziell nicht mehr schade als nütze, operiere ich.

Schönheitschirurgen dürfen also keine ethischen Bedenken haben?
Das ist jetzt ein bisschen provokativ gefragt. Aber es ist schon so: Wenn der medizinische Wunsch der Patientin nicht komplett verwerflich ist, mache ich es. Denn tue ich es nicht, geht sie zum nächsten Schönheitschirurgen. Unsere Pflicht ist es zu prüfen, ob die Operation medizinisch eine potenzielle Gefahr darstellt. Ich selbst habe eigentlich so gut wie nie ethische Konflikte.

Ist Frau mit einer erfolgreichen Schönheits-Operation glücklicher?
Dem Feedback nach zu schliessen bin ich sicher, dass wir unsere Patientinnen glücklicher machen. Ich weiss nicht, wie lange das Glück anhält, für eine gewisse Zeit aber auf jeden Fall.

Haben Sie eine Masstabelle im Kopf ?
Ich sehe tatsächlich jede Asymmetrie. Ich bin auch schon mit Frauen ausgegangen, als ich noch Single war, und da sass man sich vis-à-vis, und die Frauen haben gedacht, der schaut jetzt, was er an mir alles operieren könnte. Das ist aber nicht so, ich schaue einfach. (Ich ahne Ungemach auf mich zukommen) . In Ihrem Gesicht etwa sehe ich vermutlich mehr Asymmetrie, als Sie selbst je gesehen haben. (Das musste ja kommen.) Aber nicht, dass das nicht schön wäre . . .

Muss man denn symmetrisch sein, um als schön zu gelten?
(Ich versuche, doch noch etwas zu retten.) Ja. In allen Studien geben symmetrische Gesichter die höchsten Schönheitsquoten, obwohl niemand symmetrisch ist.

Würden Sie die ganze Welt verschönern, wenn Sie könnten?
Ja sicher, unbedingt! Am liebsten hätte ich nur schöne Leute um mich. Man kann jeden schön machen, man muss nur die Harmonie herstellen.

Würden Sie lieber mit einer Frau ausgehen, die schön und langweilig ist, oder mit einer unattraktiven, jedoch interessanten?
Gegenüber jemandem, der einfach nur schön ist, bevorzuge ich die Interessante. Aber wenn jemand interessant ist, aber extrem hässlich, dann bevorzuge ich die schöne Langweilige.

Muss ein Schönheitschirurg auch schön sein?
Meiner Ansicht nach ja. Denn jemand, der sich nicht selber schaut, erweckt bei mir nicht das Vertrauen, das es für einen solchen Eingriff braucht. Viele Frauen haben aber geradezu Hemmungen, sich einem allzu schönen Schönheitschirurgen zu präsentieren.

Wie wichtig ist die innere Schönheit einem Schönheitschirurgen?
Die Schönheit meiner Frau wird mir nie verleiden. Was aber tausendmal mehr zählt, sind ihre menschlichen Werte. Dass meine Frau auch noch in einer schönen Verpackung daherkommt – umso besser.

Und wenn die Verpackung verblasst und sich Ihre Frau nicht operieren lassen will?
Dann gibt es wahrscheinlich Probleme. "«Schönheitsoperationen sind heute vor allem Dienstleistungen, die sich junge Frauen leisten wie Autos oder Handys.»" (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.05.2013, 06:50 Uhr

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