#DeleteFacebook ist ein Witz

Warum es absurd ist, sein Facebook-Konto zu löschen und sich damit auf Instagram oder Whatsapp zu brüsten.

Wer traut sich wirklich, sein Facebook-Profil zu löschen?

Wer traut sich wirklich, sein Facebook-Profil zu löschen? Bild: Sascha Steinbach/Keystone

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Der Aufschrei ist wieder mal gigantisch. Der Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytica hat die Social-Media-Community aufgeschreckt. Pathetisch ruft sie auf Twitter unter dem Hashtag #DeleteFacebook zum Boykott auf – und beisst damit die Hand, die sie füttert: ohne Social Media keine Community. Ohne Community keine Selbstinszenierung.

Wetten, dass die meisten ihr Facebook-Konto schon deshalb nicht löschen werden? Wer sich dennoch überwindet, steht vor der nächsten Herausforderung: Finde den Delete-Button. Hat man ihn dank Internet-Tutorials entdeckt, muss man sich emotional wappnen. Facebook erpresst Abtrünnige mit Bildern von Freunden, die sie angeblich furchtbar vermissen werden. Drückt man trotzdem auf den alles vernichtenden Knopf, stellt man fest: Das Konto ist bloss deaktiviert. Endgültiges Löschen ist zwar möglich, es erfordert aber detektivische Qualitäten, um ein Profil unwiderruflich zu eliminieren.

Gut gemeint, aber

Deshalb Gratulation an alle, die das geschafft haben. Natürlich will so viel Mühe und emotionale Verausgabung belohnt werden. Die Community soll wissen, dass man sich von ihr gerade verabschiedet hat. Also macht so mancher User einen Screenshot von seinem toten Facebook-Konto und postet die Heldentat stolz auf Instagram. Oder verschickt die Breaking-News per Whatsapp – und wartet selbstzufrieden auf die Likes.

Die Community klopft sich aber nicht nur gegenseitig auf die Schulter. Sie erteilt mindestens so gern schlaue Ratschläge. Ein User schreibt zum Beispiel auf Twitter: «Ich brauche kein Facebook. Wenn ich eine Nachricht schicken will, benutze ich Whatsapp, und Fotos teile ich via Instagram.» Dumm nur, sind sowohl Instagram wie auch Whatsapp Tochterfirmen von Facebook. «Nice try», würde Mark Zuckerberg sagen.

Entrinnen unmöglich

Ja, es ist völlig sinnlos, sich von Facebook zu verabschieden und seinen Befreiungsschlag via Social Media zu feiern. Egal ob Facebook, Youtube oder Twitter – alle Social-Media-Konzerne saugen Usern Daten ab und können sie entsprechend missbrauchen. Fatalerweise nützt es auch nichts, wenn man sich von allen sozialen Plattformen verabschiedet. Reise-, Spiel-, Shopping-Apps und viele andere spionieren uns genauso aus. Ein Entrinnen gibt es nicht.

Wie so oft wird deshalb auch dieser Hashtag-Aufschrei bald wieder in den unendlichen Weiten des Internets verpuffen. Hauptsache, ein paar #DeleteFacebook-Fans kamen zu ihren Likes.

Erstellt: 24.03.2018, 00:03 Uhr

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