Hotel-Test

Der Chedi-Gast liegt mit dem iPad im Bett

Karl Wild hat in Samih Sawiris' Luxushotel in Andermatt genächtigt. Der bekannteste Hoteltester der Schweiz ist so begeistert, dass es ihm zuerst einmal die Sprache verschlägt. Teil zwei der exklusiven Trilogie.

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In bald zwanzig Jahren als berufsmässiger Hoteltester habe ich viele schöne und weniger schöne Herbergen auf allen fünf Kontinenten besucht (Lesen sie auch Teil eins der Trilogie). Längst nicht mehr beeindrucken lasse ich mich von den Prunkpalästen, deren aufdringlich zur Schau gestellter Luxus den Besucher zu erschlagen droht. Man findet diese sterilen Wichtsäcke der Welthotellerie, in denen das Preis-Leistungs-Verhältnis komplett aus den Fugen geraten ist, vornehmlich in den Arabischen Emiraten.

Andere Tophotels, auch solche mit berühmten Namen, sind schlicht langweilig, obwohl alles im Überfluss vorhanden ist. Es sind häufig jene, die sich krampfhaft bemühen, dass sich der Gast «wie zu Hause» fühlt. Die Zielsetzung ist nicht sonderlich originell. Wer sich in einem Ferienhotel wie zu Hause fühlen möchte, bleibt besser zu Hause. Das kostet weniger. Und ist bei schlechtem Wetter erst noch angenehmer.

Und dann gibt es eben jene Hotels, die einem beim Betreten erst einmal die Sprache verschlagen und dann ein bewunderndes Wow entlocken. Hotels, die den Gast umarmen und vom ersten Augenblick an in eine andere, schönere Welt entführen. The Chedi Andermatt gehört dazu. Das steht fest.

Raffinierter können Räume kaum gestaltet werden.

Der in Kuala Lumpur lebende belgische Stararchitekt Jean-Michel Gathy, der schon The Chedi Muscat und mehrere Aman Resorts gestaltet hat, erhielt von Investor Samih Sawiris wie auch von der Betreibergesellschaft GHM beziehungsweise Chedi bloss eine Vorgabe: Er sollte die Standards so hoch wie nur möglich setzen und ein Wunschreiseziel schaffen. Die Umsetzung ist ihm auf geniale Weise gelungen. Das wissen wir spätestens, als wir in unserer gut 100 Quadratmeter grossen De-luxe-Suite mit Gaskamin stehen.

Schöner und raffinierter können Räume kaum gestaltet werden. Hier gibt es keinen Marmor und auch keine goldbestückten Türfallen und Wasserhähne. Dafür feiert eine ungemein edel anmutende Schlichtheit, dominiert von Holz, Stein und Leder, wahre Triumphe. Sogar im Badezimmer, das eher wie ein zusätzliches Zimmer wirkt.

Ein junger Praktikant aus Hongkong drückt uns ein iPad in die Hand und erklärt uns die Technik. Mit dem Gerät kann man buchstäblich alles machen. Dank einer Kamera lässt sich vom Bett aus gar erkennen, wer gerade draussen im Flur steht und klingelt. Öffnen lässt sich die Tür dann via iPad, ohne dass man sich vom Bett zu erheben braucht. Technisch weniger Begabte können erfreulicherweise auch alles manuell bedienen. Ebenfalls erfreulich: Um die selbstverständlich kostenlose Internetverbindung herzustellen, benötigt man weder Code noch Passwort. Man ist einfach drin.

Beeindruckend sind nicht bloss die Suiten, sondern auch die normalen Doppelzimmer. Mit einer Fläche von 53 Quadratmetern, Kamin und allen erdenklichen Annehmlichkeiten heben sie sich klar vom Durchschnitt der internationalen Fünfsternhotellerie ab.

Herzstück des Chedi Andermatt ist die Lobby, um die sich The Restaurant, The Bar, The Pool Area, The Spa, The Wine & Cigare Library und eine gigantische Vitrine mit riesigen Käselaiben aus dem Urnerland anordnen. Nicht zuletzt dank den phänomenalen Lichteffekten ist die Lobby mit ihren beiden holzbefeuerten Kaminen ein geradezu mystisch anmutender Ort.

Wer es intimer will, verzieht sich in ein Séparée.

In den hohen Räumen, die typisch sind für alle Chedis, dominieren ebenfalls einheimisches Holz und roher Stein, raffiniert gepaart mit fernöstlichen Stilelementen. Statt Loungesessel gibt es hier Sofas, auf denen man bei Bedarf die Beine hochlagern kann. Wer es noch intimer will, verzieht sich in eines der Séparées. Es gibt nur wenige Lobbys, die gemütlicher und faszinierender sind. Zeit für eine Pause. Das Spezielle: Von der Lounge aus sieht man direkt auf den 35 Meter langen Pool. Mehr zum Spa aber später.

Lesen Sie morgen im dritten Teil der Serie, warum das Frühstück im Chedi Karl Wild mindestens einen Michelin-Stern wert wäre. Und einige Mängel hat er doch noch gefunden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.01.2014, 12:03 Uhr

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